Der Panzer war der teuerste Fehlkauf meines Lebens, knapp 4000 Euro habe ich 2022 dafür auf den Tisch gelegt. Der Panzer ist ein E-Bike von Flyer, und, obwohl Größe S, ist alles an ihm ein kleines Bisschen zu groß für mich: der Sattel ein paar Zentimeter zu hoch, der Lenker ein paar Zentimeter zu weit weg vom Sattel.
Ich habe den Panzer gekauft, weil der Liebste und ich bekanntermaßen kein Auto haben und gern mal Ausflüge oder Urlaube mit dem Rad machen. Längere Ausfahrten endeten allerdings in der Regel so, dass ich verschwitzt und fertig war und der Liebste latent gelangweilt - wir radeln einfach unterschiedlich schnell. Das Problem schien wie gemacht dafür, durch ein E-Bike gelöst zu werden.
Richtig gern gefahren bin ich nie mit dem Panzer. Ihn zu erklimmen fühlte sich immer ein bisschen an wie eine Bergbesteigung. Und mit 30 Kilo Gewicht ist er ungefähr so manövrierfähig wie, nun ja - wie ein Panzer eben. Allein die Anstrengung, die es braucht, um das Ding in Schwung zu bekommen, bis der Motor anspringt, womöglich noch mit Gepäcktaschen! Auf freier Strecke war alles bestens, aber schon der Gedanke an Stop-and-Go im Stadtverkehr oder gar Anfahren am Berg löste Unwohlsein aus. Und wer schon mal versucht hat, weiß, ein 30-Kilo-E-Bike im ICE in eine Fahrradaufhängung reinzuhängen, weiß: Das ist nicht vergnügungssteuerpflichtig.Ich hatte also ein teures E-Bike, auf dem ich mich nicht wohlfühlte, war frustriert und fühlte mich irgendwie wie eine Versagerin: nicht mal in der Lage, ein passendes E-Bike zu kaufen. Dieser Zustand hielt etwa zweieinhalb Jahre an, in der Zeit stand das Rad die meiste Zeit im Keller, denn damit zu fahren, kostete mich jedes Mal Überwindung. Dann äußerte der Liebste die rettende Idee: Ich könnte den Panzer verkaufen und mir ein anderes Rad kaufen.
Ich brauchte ein bisschen, um mich für die Idee zu erwärmen - schon wieder so viel Geld ausgeben? Dann recherchierte ich wochenlang, wollte den selben Fehler nicht noch mal machen. Als ich schließlich fündig wurde und online ein passendes Modell fand, war ich fürchterlich nervös. Wirklich kaufen, ohne Probefahrt? Würde das diesmal passen?
Was soll ich sagen: Es passte! Ich liebe meinen kleinen, blauen Renner. Er ist wendig, seine Größe passt genau zu meiner, und der Motor liefert zwar nicht ganz dieselbe Power wie der des alten Bikes, aber er muss ja auch nur 21 Kilo Gewicht bewegen.
Ich habe nun noch ein Jahr gebraucht, um in die Gänge zu kommen und den Panzer loszuwerden. Denn dafür musste ich mich komplizierten Fragen beschäftigen, vor allem der, wie viel Geld er wohl noch einbringen würde. Wie viel Verlust musste ich wirklich abschreiben?
Vor ein paar Wochen habe ich mir einen Ruck gegeben, habe den Panzer geputzt, fotografiert und für 1400 Euro bei Kleinanzeigen reingestellt. Es folgte das übliche Hickhack mit Leuten, die erst Interesse haben und dann doch nicht, mit Leuten, die erst 1000 Euro bieten und dann, wenn man ihnen schreibt, dass das nicht reicht, 850, mit Leuten, die weder hallo noch tschüs sagen, aber einen mit Nachrichten zuballern.
Ich hatte schon fast aufgegeben, da meldete sich diese Woche ein freundlicher Rentner aus Quickborn. Er bot 1200 Euro an, kam heute Morgen vorbei, verhandelte nicht nach, gab mir das Geld in bar und nahm den Panzer mit. Es kann so einfach sein.