Sonntag, 31. Januar 2016

Magic Küchen-Cleaning

Das Buch „Magic Cleaning: Wie richtig Aufräumen Ihr Leben verändert“ der Japanerin Marie Kondo war ein Riesen-Bestseller. Ich hab's ehrlich gesagt nicht gelesen, wohl aber den Nachfolger „Magic Cleaning: Wie Wohnung und Seele aufgeräumt bleiben“, das mir mal ein ehemaliger Kollege in die Hand drückte mit den Worten: „Das ist doch irgendwie dein Thema, willste haben?“. Eigentlich wollte ich schon lange mal was über das Buch schreiben, aber irgendwie kam es bisher nie dazu.

Nun also, zumindest kurz, zu „Magic Cleaning“. Einiges von dem, was Marie Kondo schreibt, habe ich hier auch schon geschrieben, vor allem, dass ich nur das behalten will, was ich brauche und/oder mich glücklich macht. Auf diese hervorragende Idee bin ich übrigens ganz ohne Frau Kondo gekommen ;)

Einiges sehe ich dann doch ein bisschen anders: Zum Beispiel dürfen bei mir Messer, Löffel und Ess-Stäbchen durchaus zusammen in einer Schublade liegen – bei Frau Kondo liegen sie getrennt. Warum, fragt ihr euch? Hier der Grund, ich zitiere: „Es ist zwar nur ein vages Gefühl, aber ich habe den Eindruck, dass die Stäbchen sich in der Nähe der scharfen Messerschneiden nicht wohlfühlen, und die Löffel, die eher kleine Teller sind, in so einem Umfeld nicht zur Ruhe kommen. Die Gabeln jedoch halten der aggressiven Atmosphäre, die von den Messern ausgeht, recht gut stand.“ Ich lass das mal so stehen.

Was ich noch nicht verstehe, ist die beim Magic Cleaning zwingend vorgegebene Reihenfolge: erst Kleidung, dann Bücher, Papiere, Kleinkram, Erinnerungen. Ich würde keinem Menschen raten, als allererstes den Kleiderschrank aufzuräumen. Kleidung ausmisten finde ich nämlich mühsam und schwierig. Warum?

Kleidungsstücke haben tendenziell mehr gekostet als viele andere Dinge in meinem Besitz, daher fällt es mir schwerer, mich von ihnen zu trennen.

Manche Dinge passen mir nicht mehr, obwohl ich sie eigentlich mag, dann muss ich mir auch noch eine Niederlage eingestehen, bevor ich sie aussortieren kann. Dasselbe gilt natürlich auch für Fehlkäufe.

Manche Sachen mag ich zwar nicht besonders, bilde mir aber ein, sie seien unverzichtbar. 2014 habe ich zum Beispiel einen schwarzen Cardigan aussortiert und stelle nun immer wieder fest, dass ich nichts Schönes habe, was ich über meine vielen schönen halbärmeligen Kleider tragen kann. Auch meine Unterwäscheschublade könnte mal eine Entrümpelung vertragen, aber dann müsste ich mir größere Mengen neue Unterwäsche kaufen, und wer hat da schon Lust drauf?

Viele Sachen will ich noch mal anziehen, ehe ich mich endgültig entscheide. Dadurch dauert's lange.

Viel leichter fällt es mir, die Küche auszumisten. Um mich in neuen #daskannweg-Schwung zu bringen, hab ich daher heute mal fast alle Küchenschränke ausgemistet (alle außer dem Schüssel- und Dosenschrank und der Dinge-Schublade, die brauchen einen separaten Termin).

Ich weiß natürlich, dass man die meisten schon länger abgelaufenen Lebensmittel noch problemlos essen kann, und unter normalen Umständen tue ich das auch. Ich finde das Theater ums MINDESThaltbarkeitsdatum nämlich lächerlich und halte es für eine Schande, wie viele Lebensmittel weggeworfen werden. Aber angesichts des bevorstehenden Umzugs habe ich die 20/20-Regel (ihr erinnert euch vielleicht noch – wenn nicht: zur 20/20-Regel) ausnahmsweise auch auf Lebensmittel angewendet.

Gewürze, die an Aroma verloren haben, eher unleckere Nudeln und Ananas aus der Dose zwei Jahre über dem MHD in Umzugskartons packen, um sie fast 600 Kilometer quer durch die Republik zu transportieren, damit sie dann dort die Schränke in unserer schönen neuen Küche zumüllen? Nee, echt nicht. Wenn ich irgendwas davon vermissen sollte, bin ich in fünf Minuten im Supermarkt um die (neue) Ecke und kann es nachkaufen – und dann ist es sogar frisch. Am Ende waren's zwei Mülleimer voll. Und ich habe einen neuen guten Vorsatz: Weniger unnütze Vorräte kaufen!

Dazu hab ich noch allerlei Zeug zum Ausmisten vorgemerkt und auf meinem Esstisch gestellt. Eine Reihe an Zeug, was einfach unnötig und unpraktisch ist: die riesige Tasse, in der der Tee viel zu schnell abkühlt, die Teller, die zu groß sind für die Spülmaschine, die überdimensionierte Trinkflasche. Eine Reihe von Zeug, von dem ich einfach zu viel habe oder von dem der Liebste und ich künftig gemeinsam zu viel haben werden: kleine Schüsseln, die dritte Thermoskanne, leere Teedosen. Und: alle Töpfe außer zwei - der neue Herd ist ein Induktionsherd, das können die meisten meiner Töpfe nicht. Sieht ziemlich beeindruckend aus.

Samstag, 30. Januar 2016

Big News!

Endlich kann ich ihn erzählen, den schon angekündigten Grund, warum #daskannweg 2016 einen Zahn zulegt: Der Liebste und ich ziehen zusammen!

...

Da, wo jetzt diese drei Punkte stehen, habe ich in den letzten fünf Minuten versucht hinzuschreiben, wie wir uns freuen. Wie verrückt. Irrsinnig. Extrem. Alles völlig ungeeignet, um das Gefühl zu beschreiben. Deshalb hier nur: Wir freuen uns. Sehr. Und sind sehr glücklich.

Und nun Schluss mit der Rührseligkeit - es gibt viel zu tun :) Wenn nämlich Mitte/Ende März mein ganzer Kram in einen Lkw gepackt und runter nach Mannheim gebracht wird, heißt es nicht nur #daskannweg: Fernbeziehung. Sondern auch: #daskannweg: ein Riesenhaufen Kram.

Denn:

Es gibt – natürlich! - eine unglaubliche Menge an Dingen, die wir doppelt haben: Fernseher, Staubsauger, Handrührer, Bügeleisen, Bügelbrett und so weiter und so weiter und so weiter. Von Möbeln will ich erst gar nicht anfangen. Wobei ich in diesem Punkt glücklicherweise kaum #daskannweg-Entscheidungen treffen muss, weil der Großteil meiner Möbel mitkommen wird.

Es gibt – natürlich! - eine unglaublich Menge an Dingen, von denen wir ZU VIEL haben werden: Tassen, Teller, Gläser, Handtücher, Bettwäsche …

Wir legen zwei Wohnungen zusammen, und meine Wohnung ist ziemlich groß. Insgesamt verlieren wir grob überschlagen fast 40 Quadratmeter Wohnfläche. Das ist total okay, immerhin ziehen wir zusammen, damit wir uns öfter über den Weg laufen – da brauchen wir keine Wohnung, in der wir uns nie begegnen. Aber es bedeutet, dass wir weniger Platz für Dinge haben. Zumal an den Stellen in unserer Wohnung, an denen sich die vier Doppelflügel-Balkontüren befinden (jaaaaa!), kein Platz ist für Schränke. 
Zwei dieser Balkone sind bald unsere :)
Außerdem muss ich mir bei jedem Stück überlegen: Will ich das wirklich so unbedingt behalten, dass ich es einpacken und wieder auspacken will? Das könnte das Dinge-Behalten noch mal auf eine harte Probe stellen.

Ach, ich freu mich. Am meisten natürlich auf den Liebsten, den Neuanfang, die neue Stadt, die neue Wohnung. Aber auch: auf weniger Kram. Auf Schluss machen mit allem, was ich nur noch aus Bequemlichkeit behalten hab. Ein Leben mit lauter Lieblingsdingen, das ist der Plan. Hab ich schon geschrieben, dass ich mich freue?

Donnerstag, 28. Januar 2016

Ist mein Mail-Account kaputt? [Gastbeitrag]


In letzter Zeit beschleicht mich immer öfter das Gefühl, dass der Liebste still und heimlich zum besseren #daskannwegger in dieser Beziehung geworden ist. Insofern hätte ich mich wohl gar nicht wundern sollen, als mich heute Morgen um 7:28 Uhr - ich lag noch im Bett - eine WhatsApp mit folgendem Text erreichte: ich schreib grad n das kann weg gastbeitrag ;) Er schrieb in der Straßenbahn, auf dem Weg zur Arbeit, in den iPhone-Notizblock. Weil ihm das Thema ein Anliegen war. Aber lest selbst: 

Am Sonntag habe ich wirklich gedacht, mein E-Mail-Account sei kaputt. Ich wartete auf eine wichtige Mail, schon seit einer Woche. Die letzte Mail kam Freitag – das kann doch nicht sein! Mit dem beruflichen E-Mail-Account eine Testmail geschickt ... alles in Ordnung.

Was das mit #daskannweg zu tun hat? Von der Wegwerffrau habe ich gelernt, dass man Dinge, die man nicht braucht, wirklich nicht braucht. Das betrifft nicht nur Gegenstände, sondern auch ungewollte elektronische Post. Natürlich kann man den üblichen Spam zu Viagra und versprochenen tollen Sex-Dates nicht abstellen, aber dafür gibt's ja den Spam-Filter, der bei Gmail gut funktioniert.

Mir geht es um Newsletter: Jeder Onlinehändler, bei dem ich mal was bestellt habe, will mich über seine Angebote informieren, jeder, der irgendwie mal an meine Mail-Adresse gekommen ist, will mir schreiben. Das ist ja nett gemeint - aber gelesen habe ich diese Mails nie.

Das führte dazu, dass mein iPhone mich jeden Tag daran erinnerte, dass noch 128 ungelesene Mails darauf warten, gelesen zu werden - wenn auch diskret mit einem roten Kreis an der Mail-App. Ich wollte diese Mails gar nicht lesen. Aber trotzdem blieb immer die Ungewissheit: Vielleicht ist eine dieser 128 Mails doch kein Newsletter, sondern wichtig.

Nach einem sonntäglichen Gespräch, bei dem ich mich über die immense Zahl an Newslettern in meinem Postfach beschwerte, hatte die Liebste mal wieder die pragmatische Lösung: abbestellen! Das tat ich ab diesem Tag, mit aller Konsequenz. Bei jeder Mail, die reinkam, drückte ich den Unsubscribe-Button. Auch wenn der sich meist ganz klein am Ende der Mail versteckt und schön unscheinbar ist: Es gibt ihn wirklich - und er funktioniert. Der Newsletter von einem Versandhändler, bei dem ich irgendwann mal ein Geschenk gekauft habe? Weg. Der Newsletter vom Schuhhändler, der mit schreienden Frauen wirbt? Weg. Der vom Lieferdienst? Weg. Ich könnte ewig so weitermachen.

Ein halbes Jahr lang bin ich immer mal wieder die Ungelesen-Mails durchgegangen und habe noch etliche Newsletter abbestellt. Ganz newsletterfrei bin ich natürlich immer noch nicht: Ich bekomme das Kinoprogramm, das ich gerne studiere, Infos von einem Konzertveranstalter und von einem Softwarehändler, der Sonderangebote anpreist. Das reicht mir völlig aus: Wenn ich etwas suche, kann ich Google bemühen. Ich gehöre sowieso nicht zu der Sorte Menschen, die etwas kauft, nur weil es gerade angeboten wird.

Daher: Newsletter können weg!

Dienstag, 26. Januar 2016

Ausmisten ist wie Diät halten

Mein #daskannweg-Jahr liegt nun schon mehr als ein Jahr zurück. Zeit für eine kleine Bilanz mit etwas Abstand.

Das Wichtigste ein Jahr später steht schon in der Überschrift: Ausmisten ist wie Diät halten. Das finden diejenigen, die hier schon länger lesen, vielleicht merkwürdig: Hab ich nicht ein Jahr lang darüber geschrieben, wie viel Spaß mir das Ausmisten macht und wie leicht es mir fällt? (und diejenigen, die mich kennen, wissen, dass das für eine Diät und mich keinesfalls zutreffen würde – wenn ich denn eine machen würde)

Stimmt genau - und genau das meine ich nicht. Ausmisten und Diät verbindet nämlich vor allem etwas anderes: Wenn ihr wollt, dass es von Dauer ist, müsst ihr dranbleiben. Wer nach der Diät einfach so weiterisst wie vorher, hat die Kilos ruckzuck wieder drauf – und vielleicht gleich noch ein paar mehr, ihr wisst schon, Jojo-Effekt und so. Wer auf Dauer schlank bleiben will, muss eine Ernährungsumstellung hinkriegen (hab ich gehört). Um es aufs Ausmisten zu übertragen: Ihr müsst eine Konsumumstellung hinkriegen, sonst sind die Schränke schnell wieder so voll wie vorher. 

Warum ich das so genau weiß? Weil ich es selbst erlebt habe im vorigen Jahr. Das heißt nicht, dass sich nichts geändert hat. Ich werfe schneller weg. Ich kaufe bewusster ein. Ich erfreue mich mehr an den Dingen, die ich noch habe, weil ich mich bewusst für sie entschieden habe. All das wisst ihr längst, es stimmt, und das stimmt auch weiterhin.

Aber trotzdem vermehren sich in meiner Wohnung immer wieder unbemerkt mittelmäßige Taschenbücher, verwaschene T-Shirts und kaputte Elektrogeräte. Ich gehe wie eine Ehemals-BMI-30-heute-BMI-20-Frau widerstrebend nicht in einer Konditorei mit Schokoladentorten vorbei, sondern am Tiger-Laden in der Osterstraße, murmelnd: Nein, ich brauche heute wirklich keine Notizbücher, Kaleidoskope, Wandhaken, Kaminfeuer-DVDs, Cuttermesser im 4er-Pack, falschen Bärte, Radiergummis in Rhinozerosform und Badezimmervorleger. Zwischen dem Entschluss, dass die Eismaschine weg kann, und dem tatsächlichen Besuch beim Recyclinghof vergingen sechs Monate, die die kaputte Eismaschine wenig dekorativ auf der Fensterbank in meinem Wohnzimmer verbrachte – übrigens exakt derselbe Ort, an dem sie in den Wochen schon stand, die ich brauchte, um die Niederlage einzugestehen.

Und nicht zuletzt, und das ist mir jetzt wirklich richtig peinlich: Hinter meiner Schlafzimmertür ist da immer noch dieser Stapel. Mit Dingen, die ich im #daskannweg-Jahr aussortiert habe, aber nicht losgeworden bin. Ich habe immer wieder einiges dazugelegt, mit dem Resultat, dass er inzwischen höchst bedenkliche Ausmaße angenommen hat. Wer noch einen Beweis brauchte, dass ich wirklich keine Minimalistin bin, absolut so gar nicht, hier ist er:

Aber: Im neuen Jahr wird alles anders. #daskannweg legt jetzt wieder einen Zahn zu. Dafür gibt es einen guten Grund. Den erzähl ich euch nächstes Mal.

Dienstag, 22. Dezember 2015

Aufräumen gegen die Unsortiertheit

In meinem Kopf herrscht zur Zeit recht viel Unordnung. Und wie immer, wenn ich mich innerlich unsortiert fühle, ertrage ich Chaos um mich herum besonders schwer. Mehr noch: Aufräumen beruhigt mich dann. Zuverlässig. Kostenlos. Und eine aufgeräumte Wohnung gibt’s als Nebeneffekt auch noch gratis dazu.

Also räume ich auf. Die Abstellkammer zum Beispiel. Und den Vorratsschrank. Da wäre sicher allerhand zu fotografieren, zu zeigen und zu berichten gewesen in den vergangenen Wochen, denn diese Form von Tiefen-Aufräumen heißt bei mir immer auch: Dinge wegwerfen. Aber mir war nicht danach - ich hatte eine Mission: Ordnung!

Besonders dramatische Folgen kann es haben, wenn ich den Liebsten anstecke mit meiner Aufräumwut. Wollen wir nicht mal deinen Schreibtisch aufräumen?, sage ich unschuldig zu ihm und versuche zu verbergen, wie groß mir dieses Anliegen ist. Denn immerhin ist es ja sein Schreibtisch, in seiner Wohnung, der kann so unordentlich sein, wie es dem Liebsten gefällt.

Aber wenn ich ein, zwei mal im Monat von seiner Wohnung aus arbeite, weiß ich manchmal nicht, wohin mit Zetteln und Teetasse, weil quasi jeder Zentimeter Schreibtischoberfläche mit Dingen bedeckt ist. Und überhaupt hab ich den Schreibtisch direkt im Blick, wenn ich beim und mit dem Liebsten im Bett liege. Der Anblick der Dinge, die dort nicht liegen müssten, raubt mir die Ruhe. Ist das spleenig? Wahrscheinlich. Aber so ist es nun mal.

Wollen wir nicht mal deinen Schreibtisch aufräumen?, sage ich also. Und in dem Moment, in dem ich meine Idee vorbringe, bin ich überzeugt: Ist dieser Schreibtisch erst aufgeräumt, werde ich tiefer und besser schlafen und morgens länger und entspannter im Bett herumliegen können. Vielleicht ist das der Grund, warum der Liebste schon nach kurzem Widerstand in meinen Vorschlag einwilligt. Vielleicht weiß er aber auch einfach, dass ich nicht aufhören werde, ihn damit zu nerven.

Also räumen wir. Wir stapeln CDs auf Spindeln und Papiere in Ablagen, stopfen ausgetrocknete Kugelschreiber und vergilbte Klarsichthüllen in einen blauen Müllsack und verstauen Locher und USB-Sticks in Schubladen. Und weil wir gerade so schön dabei sind, verkabelt der Liebste alle Elektronikgeräte neu, damit die Kabel nicht wild herumliegen, und ich schrubbe schwarze Placken vom Mauspad und dabei leider auch einen Teil des Aliens ab, das darauf abgebildet ist (merke: Kraftreiniger in Zukunft nicht für Mauspads nutzen).


Das Ergebnis unseres Tuns: irgendwie gespenstisch. Der Schreibtisch ist geradezu klinisch ordentlich und wirkt im Schlafzimmer des Liebsten beinahe so fremdartig, als wäre dort das Ufo des Mauspad-Aliens gelandet. Ungewohnt allemal. Aber irgendwie auch gut, finde ich. Mal sehen, ob ich jetzt wirklich tiefer und besser schlafe.

Donnerstag, 5. November 2015

Übers Aufbrauchen

Wer mag schon Wiederholungen? Ich jedenfalls nicht. Man könnte sagen, ich bin regelrecht abwechslungssüchtig. Habe ich nur zwei Brotbeläge zur Auswahl, esse ich am Wochenende zum Frühstück nur ein Brötchen. Sind aber Cheddar, Zeigenkäse, Serranoschinken UND Salami da, ärgere ich mich, dass ich nach eineinhalb schon satt bin. Es gibt einige Filme, die ich mir eigentlich gern ein zweites Mal ansehen würde. Aber jedesmal, wenn ich so etwas tue, ärgere ich mich: In der Zeit könnte ich schließlich auch einen Film sehen, den ich noch nicht kenne. Und als letzte Woche bei der Chorprobe jemand meinen Pulli lobte und jemand anderes sagte: "Stimmt, den hattest du letzte Woche doch auch an, ist mir gleich aufgefallen, wirklich hübsch", war mir das ziemlich unangenehm.

Diese Abwechslungssucht hat einige irritierende Folgen. Sie äußert sich beispielsweise in einer leicht beschämenden Anzahl rosa- und pinkfarbener Kapuzenpullover. Aber hey! Ich mag sie alle ... alle vier (Ich schwöre außerdem, sie sind alle sehr, sehr unterschiedlich! Echt jetzt.). Insofern besteht hier kein #daskannweg-Aktionsbedarf.

Anders sieht es mit Verbrauchsgütern aus. Das Gewürzfach in meinem Schrank und mein Vorratsschrank füllen sich abwechslungssucht-bedingt immer wieder auf magische Weise mit Lebensmitteln. Sie aufzubrauchen, bevor sie ablaufen (oder zumindest, bevor sie so lange abgelaufen sind, dass ich sie irgendwann nicht mehr essen mag), ist manchmal der reinste Psychoterror. (Ihr erinnert euch an "Hör auf zu horten", nehme ich an.)

Glücklicherweise gibt es auch Verbrauchsgüter, die nicht so schnell verbraucht werden müssen. Zum Beispiel Badezusatz. Aufgrund der beschriebenen Abwechslungsssucht - und weil ich immer mal wieder einen geschenkt bekam - hatte ich Anfang 2014 eine beachtliche Sammlung an Badezusätzen. Nun finde ich Baden an und für sich großartig, aber öfter als ein-, zweimal im Monat steige ich dann doch eher selten in die Wanne. Ich fasste also zu Beginn des #daskannweg-Jahres den Entschluss: Von nun an wird aufgebraucht! Keine neuen Badezusätze mehr, so lange die alten nicht leer sind. 

Ich weiß nicht mehr genau, wie viele verschiedene Sorten es waren, aber: Es waren viele. So viele, dass das siffige, billige Körbchen randvoll war damit, Flasche an Flasche. Vorige Woche waren es nur noch drei. Eins davon war ein Badezusatz namens "Zeit für Zweisamkeit" mit schwarzem Nachtjasmin. Ich hatte es lange vermieden, es zu benutzen, denn ich hatte noch in Erinnerung, dass ich es nicht mochte. Meine Erinnerung hat mich nicht getrogen, selten hat Baden so wenig Spaß gemacht wie in dieser betörend-schweren Suppe. Nach dem Bad landete "Zeit für Zweisamkeit" straight im Müll. Und ich kann - nicht ohne Stolz - vermelden: mission accomplished. Denn nun besitze ich nur noch zwei Badezusätze, einer davon zur Entspannung, der andere gegen aufkommende Erkältung. Kann man nix gegen sagen, oder was meint ihr?

Aufbrauchen ist quasi #daskannweg light. Es beginnt mit dem Gedanken: Ich habe genug davon, ich brauche nichts Neues. Oft genug stelle ich dann aber während des Aufbrauchens fest, dass ich gar keine Lust habe aufzubrauchen. Dass es einen Grund gibt, warum ich den Badezusatz/die Gewürzmischung/das Parfüm/die Halsbonbons noch nicht aufgebraucht habe, warum ich mir vorher mehr vom Ähnlichen, Anderes, Neues gekauft habe. Dann wird aus dem #dasbrauchichauf doch noch ein #daskannweg.

A propos: Das siffige Körbchen, in dem nun nur noch zwei Flaschen Badezusatz ganz verloren herumstehen - das kann auch weg.

Donnerstag, 27. August 2015

Erkenne dich selbst

Wird's jetzt etwa esoterisch? Keine Sorge. Höchstens ein bisschen. Mit Esoterik hab' ich es ja nicht so. Eine Erkenntnis, die übrigens auch ganz gut zum Thema passt. Aber erst mal eine kurze Erklärung, was das hier eigentlich soll.

Im Januar, kurz nach dem Ende des #daskannweg-Jahres, hatte ich große Pläne. Ein Konzept für zehn #daskannweg-Regeln habe ich gemacht, viele sogar schon halbfertig oder fertig geschrieben. Drei habe ich veröffentlicht, eine vierte sogar im dritten Posting schon angekündigt. Und dann, irgendwie, den Faden verloren. Wie konnte das nur passieren? Ach, ist eigentlich auch egal. Die Regeln sind noch da, und ich glaube immer noch, dass sie gegen das Verrümpeln helfen. Ich setze die unterbrochene Reihe fort, und zwar heute - mit ...


#daskannweg-Regel Nummer 4: 
Erkenne dich selbst
"Trenne dich von deinen Illusionen, dann wirst du weiterexistieren, aber aufhören zu leben" - diesen 80er-Jahre-Sponti-Spruch halte ich, Verzeihung, für ganz großen Bullshit. Vielmehr sollte man sich möglichst zackig von seinen Illusionen trennen und erkennen, wer man eigentlich ist. Als ich das tat, stellte ich sehr schnell fest: Ich belaste mich mit so viel Kram, der mein Leben überhaupt nicht schöner macht. Weil er nicht "ich" ist.

Ich bin nicht: Haarbänder mit Punkten, ein Blusenmädchen, das gut in hochhackigen Stiefeln laufen kann. Ich gebe keine eleganten Abendgesellschaften und brauche daher weder Serviettenringe noch Sherrygläser.

Ich werde dieses wahnsinnig gesunde Müsli nie essen, weil ich Salamibrote einfach lieber mag. Und die Lieblingsjeans, die mir vor zehn Jahren mal passte, kann auch weg. So dünn werde ich eh nie wieder.

Ich dachte mir, das Thema Selbsterkenntnis könnte man gut mit einem Selfie bebildern: Hab mich selbst erkannt, das bin ich, schaut her, keine Bluse, kein Haarband, keine Abendgesellschaft weit und breit. Dieses Projekt mündete in eine weitere Selbsterkenntnis: Eine Selfie-Queen bin ich auch nicht.


Mittwoch, 5. August 2015

Weg kann: das Tablet


Als ich den letzten Blogeintrag des #daskannweg-Jahres schrieb, fing mein Tablet an, ernsthaft rumzuspacken, ihr erinnert euch vielleicht. Es hatte mich schon länger geärgert. Hochfahren und Updaten dauerte ewig, währenddessen könnte man es nicht benutzen. Ich fand es nach wie vor praktisch, weil es eine Tastatur hat, denn ein Notebook hatte ich nie, aber alles andere ging mir auf die Nerven.

Im Januar kaufte sich der Liebste ein neues iPad und gab mir sein altes. Er hat das "das kann weg"-Prinzip inzwischen echt gut verinnerlicht, scheint mir ;) Ich jedenfalls hatte nun ein iPad - und wie gut es funktionierte! Das alte Tablet, ein Asus Transformer Pad, war trotz Tastatur abgemeldet und lag nur noch im Regal. 

Als ich es Wochen später mal wieder anmachen wollte, ging gar nichts mehr. Ich dachte, es braucht nur ne Ladung Strom, aber das half nicht. Also Reparatur - Garantie war ja noch drauf. Ich wollte das Tablet bei Asus einschicken, brauchte die Rechnung dafür. Ich hatte das Tablet bei Amazon gekauft, loggte mich ein, wollte die Rechnung herunterladen - und stellte fest: Das geht nicht, wenn das Produkt vom Marketplace ist. Ich schrieb dem Händler eine E-Mail, er meldete sich nie zurück.

Ich kümmerte mich nicht weiter um die Sache. Klar, ich hätte das Tablet noch verkaufen können, aber es störte mich auch nicht weiter, dass es kaputt war. Inzwischen ist die Garantie abgelaufen. Und das Tablet? Liegt immer noch im Regal, ein Mahnmal meiner eigenen Schusseligkeit, meines Nicht-drum-Kümmerns.

Hilft ja nix. Fehler eingestehen und abhaken. Das Tablet kann weg,

Montag, 27. Juli 2015

Weg kann: die Eismaschine

Die Eismaschine hat mir mal eine ehemalige Kollegin geschenkt. Sie hatte sie geschenkt bekommen, konnte aber nichts Rechtes mit ihr anfangen. Wir hatten uns mal über das Thema unterhalten, und als ich kurz darauf eine kleine Weihnachtsfeier bei mir zuhause ausrichtete, brachte sie sie mir mit. Ich habe mich gefreut - auch wenn sich meine ambitionierten Küchen- und Kochpläne Desserts eigentlich nicht einschließen.

Das war 2011 oder so. Als ich die Eismaschine schon ein Jahr hatte, machte ich mal Eis damit, für meinen Geburtstag. Macht eigentlich gar nicht so viel Arbeit, dachte ich. Könnte man öfter machen. Hab ich dann aber nicht.

Irgendwann fragte mich Steph (die mit dem Stuhl), ob sie die Eismaschine ausleihen könne. Klar, sagte ich. Steph und ihr Freund haben jede Menge Eis damit gemacht. Als sie zusammenzogen, gab Steph mir die Maschine zurück: nicht genug Platz in der Küche.

Der Liebste liebt Eis. Und ich dachte, dann lass mal Eis machen. Wir machten Vanilleeis nach Jamie Oliver. Man macht erst eine Riesenmenge Vanillesoße und friert die dann ein. Wie man die Soße macht, ist genau beschrieben. Danach wird das Rezept leicht diffus.

Die Eismaschine hat keinen Kompressor, nur einen Behälter, den man ins Eisfach stellt, bis er ganz kalt ist. Darin rührt die Maschine die Masse so lange, bis Eis draus geworden ist. Oder eben auch nicht. Wir waren dummerweise, typisch Fernbeziehung, in Zeitnot, ich fürchte, die Soße war noch sehr heiß, als wir sie einfüllten. Die Eismaschine rührte und rührte und rührte, die Masse blieb flüssig. Das war ein ziemlich deprimierendes Erlebnis. Ein Haufen Eier, Sahne und Vanilleschoten verschwendet. Was sollte ich denn mit so viel Vanillesoße!

Seitdem verweigert die Eismaschine den Dienst. Der Rührer dreht sich nicht mehr, die Maschine macht nur noch ein trauriges kleines Geräusch. Das kränkt meine Köchinnenehre.

Ich würde mir lieber nicht eingestehen müssen, dass ich die Eismaschine kaputt gemacht habe. Aber andererseits: Ich bin eh kein großer Dessertfan. Und seit dem Vanilleeis-Incident lästert die Liebste sowieso nur über die Eismaschine. Das sei überhaupt keine Eismaschine, sagt er.

Vor einer Weile hat er hat sogar mal einen Zettel draufgelegt, auf dem stand "kann weg". Vielleicht sollte er diesen Blog übernehmen ...

Mit seinem Zettel hatte er jedenfalls recht. Die Eismaschine kann weg.

Sonntag, 5. Juli 2015

das konnte doch nicht weg - oder: Rückschläge gehören dazu

Die Gurke. Übrigens fotografiert mit der alten Kamera.
Anfang Februar hat mir der Liebste sein altes Handy geschenkt, ein iPhone 5. Klar, dass ich mein kleines altes Samsung Galaxy S3 Mini nicht länger behalten wollte. Ich hab es meiner Mutter gegeben. Die hat sich wie verrückt gefreut, denn sie hatte bisher kein Smartphone, nun konnte sie endlich Candy Crush Saga spielen, das hatte sie bei mir mal gesehen. Und mit ihren Freundinnen Whatsapps schreiben.

Dann allerdings passierte etwas, was so nicht geplant war. Ende März, am letzten Urlaubstag unserer Malaysia-Reise, konnte etwas weg, das ich eigentlich gern behalten hätte: meine Handtasche. Sie  wurde mir geklaut - mitsamt Kamera, Pass und eben dem iPhone 5. Weil Malaysia mich ohne Pass nicht ausreisen ließ, mussten wir unseren Urlaub sogar noch um drei Tage verlängern.

Der Urlaub hatte ein ziemliches Loch in mein Budget gerissen, da wollte ich mir nicht gleich ein neues Handy kaufen müssen. Zurück in Deutschland bat ich meine Mutter, mir mein altes Handy zurückzugeben. Ich hatte ein fürchterlich schlechtes Gewissen deswegen – zumal ich ja hier einmal geschrieben habe: "Willst du dann wirklich wieder zurück zu dem alten Kram, den du durch was anderes ersetzt hast, weil er nicht mehr gut genug war? Willst du dann nicht lieber was Neues?"


Und noch etwas anderes, das ich bereits aussortiert hatte, ist nach dem Diebstahl zurück in meinen Fundus gewandert: meine alte Kamera. „Kamera verkaufen“ stand schon eine ganze Weile auf meiner To-Do-Liste. Nun bin ich froh, dass ich sie noch habe.

Ob ich nach dieser Erfahrung abrücken soll von meiner Prämisse, dass altes Zeug weg kann, wenn man sich was Neues gekauft hat? Ich weiß nicht so recht. Einerseits war es ein großes Glück, das alte Handy zurückbekommen zu können. Aber natürlich hätte ich mir auch ein neues Handy kaufen können, wenn ich gemusst hätte. Jetzt hab ich immer noch diese alte Gurke mit dem Sprung im Display, bei der der Akku ständig schlapp macht und auf der viele Apps nicht vernünftig laufen, weil der Prozessor so lahm ist.

Gut genug? Eigentlich nicht. Dennoch scheue ich die Anschaffung. Weil ich noch Urlaubspläne habe für dieses Jahr und Angst habe, dass das Geld nicht für alle meine Wünsche reicht? Oder weil ich mich vielleicht auch ein winziges Bisschen für meine eigene Unachtsamkeit bestrafen will? Was immer es ist, das Gurkenhandy und ich, wir sind noch nicht ganz fertig miteinander.

Einen Fehler immerhin habe ich bei der ganzen Angelegenheit nicht gemacht: Ich hab mir kein Übergangshandy gekauft. Eines, das zwar nicht so viel kosten würde wie ein neues iPhone, das ich aber eigentlich gar nicht haben will. Dann bleib ich lieber der Gurke treu.