Dienstag, 10. Februar 2026

Die Tasse aus der Vergangenheit

Als ich im September 2024 die BASF verließ, dachte ich darüber nach, dass ich eigentlich meinen ersten tollen LinkedIn-Post machen und das übliche Blabla schreiben müsste: wie schön es gewesen war, aber dass jetzt neue Herausforderungen warten und so weiter. Ihr kennt sie bestimmt alle.

Tatsächlich war der letzte Tag vollgepackt. Ich hatte Lieblingskuchen vom Café Blum organisiert (bester Kuchen in Mannheim), um meinen direkten Kollegen morgens in der Teamrunde eine letzte Freude zu machen. Und nachmittags viele liebe Kollegen, die ich in 18 Jahren Betriebszugehörigkeit kennen gelernt hatte, eingeladen, vorbeizuschauen und mit mir Kuchen zu essen. Ich war überwältigt, wie viele gekommen waren. Und dann war der Tag auch schon vorbei – es blieb ein Foto vom Einwerfen des Werksausweises, und das war's. Den LinkedIn-Post habe ich nie geschrieben. Um so seltsamer, jetzt noch mal über diesen Tag zu schreiben, nachdem ich über ein Jahr weg bin.

Die Tasse hatte ich irgendwann am Anfang meiner BASF-Zeit gekauft. Es gab sie im Zweierset, ich habe keine Ahnung, wo die andere hingekommen ist. Das Logo der BASF hat sich inzwischen geändert und auch meine Einstellung zu der Firma.

Und noch etwas ist anders: Damals, als ich die Tasse kaufte, war ich stolzer Mitarbeiter eines Dax-Konzerns, der auch zu Hause seine Zugehörigkeit zeigen wollte. Heute bin ich wieder stolzer Mitarbeiter, muss das aber in der Freizeit nicht ständig nach außen tragen. Mal im Firmenshirt laufen gehen ist okay, mehr muss nicht sein. 

Wir haben genug Tassen, und ich brauche keine Erinnerung an meine Arbeit, wenn ich am Wochenende gemütlich Kaffee trinken möchte, schon gar nicht an meinen Ex-Arbeitgeber. Also wanderte die Tasse nach dem Umzug nach Hamburg in den Keller.

Als wir die Küchenkiste aus dem Keller holten, wusste ich gar nicht mehr, was wir darin ausgelagert hatten. Aber als ich die Tasse sah, war mir sofort klar: Die kann weg!

Sonntag, 8. Februar 2026

Keller-Clean-up, Baby!

Alles, was du ein Jahr lang nicht benutzt hast, kann weg – das ist wohl einer der bekanntesten Ratschläge, wenn's ums Ausmisten geht. Höchste Zeit also, mal einen Blick in den Keller zu werfen. Und da stand sie: die Kiste mit den Küchensachen. 


Unsere Küche in Mannheim hatte ein paar Schränke mehr gehabt als die in Hamburg. Als wir Ende 2023 umzogen und unsere Küchenschränke einräumten, bekamen wir einfach nicht alles unter. Und so packten wir einiges in eine Kiste und in den Keller.

Zum Beispiel den Kaffeefilter – er stammt aus der Zeit, in der der Liebste noch eine Kaffeepad-Maschine hatte. Wenn meine Eltern, echte Coffeeholics, zu Besuch kamen, brühten wir damit Kaffee für sie auf. Das Milchaufschäumgefäß ist eine Kaffeegeneration jünger – aus der Vollautomat-Ära, aber vor der Kaffee-nur-schwarz-Ära. Den Spätzlehobel kaufte ich, als ich Foodredakteurin war und über Spätzle aus dem Kühlregal die Nase rümpfte. Die Geschichte der BASF-Tasse erzählt der Liebste selbst. All diese Dinge sind Grüße aus unserer Vergangenheit, die in unserem heutigen Leben keine Bedeutung und keinen Nutzen mehr haben.

Auch die Plastikbecher, die Kühlakkus, die Schraubgläser, die Vorratsgläser und die Flaschen haben etwas gemeinsam: Wir hatten erheblich zu viele davon. 

Überhaupt, Gefäße! Dosen und Gläser für Gewürze, Brot, Vorräte, selbst angesetzte Kräuteröle und mehr. Wann will man all das Zeug, das man darin aufbewahren könnte, kaufen oder herstellen? Wo soll man das alles lagern? Und wer soll das alles essen?

Nichts aus der Kellerkiste haben wir seit Ende 2023 vermisst. Einiges davon ging direkt in den Müll, manches in eine "Zu verschenken"-Kiste. Das Campinggeschirr darf zurück in den Keller, das brauchen wir nicht jeden Tag im Schnellzugriff. 

Und immerhin eine Plastikbox mit Deckel haben wir aus dem Kellerexil befreit und ihr eine neue Bestimmung gegeben: In ihr lagern jetzt diverse Küchenhelfer vom Dosenöffner bis zum Salatbesteck. Irgendwas sagt mir allerdings, dass das noch nicht das Ende unserer Küchendingereise war ...


Dienstag, 3. Februar 2026

Gratis Inbusschlüssel - ein ungewolltes Geschenk

Oh nein, es ist mal wieder #daskannweg-Tag! Schnell mal in die Ablagefächer geguckt, und siehe da: gleich wieder was gefunden.

Ihr habt bestimmt auch welche: Gratis-Inbusschlüssel. Sie liegen Möbeln bei, damit man diese auch ohne eigenes Werkzeug zusammenschrauben kann. Geprägt wurde die Idee durch Ikea, die Selbstaufbau-Möbel salonfähig gemacht haben. Sie legen immer ihren S-förmigen Inbusschlüssel bei und haben damit einen Standard etabliert.

Wenn ich ein Möbel aufgebaut habe und neben der Verpackung so ein Inbusschlüssel rumliegt, denke ich jedes Mal: "Oh nein, den kann ich nicht wegschmeißen. Das ist wertvolles Metall, und auch die Herstellung hat Energie gekostet." Also lege ich ihn in meine Schublade, zum Wegwerfen ist er mir zu schade. 

Aber wenn es dann mal was zum Schrauben gibt, hole ich nicht die billigen Inbusschlüssel aus der Schublade. Ich versuche auch nicht rauszufinden, ob einer von ihnen zur aktuellen Aufgabe passt. Denn ich habe ja eigenes Werkzeug, das viel höherwertiger ist. Wenn ich was zusammenschrauben muss, nutze ich das gern.

Somit liegen die Inbusschlüssel ungenutzt über Jahre herum. Mindestens zwölf Stück hatte ich zusammengetragen, die ich alle nie mehr benutzen werde. Über die verschwendeten Ressourcen und auch die zusätzlichen Kosten denken die Hersteller anscheinend nicht nach.

Andere Leute machen aus ihren Ikea-Werkzeugen sogar Kunst. Aber ein Bild aus Imbussschlüsseln brauche ich nicht, und eine andere sinnvolle Verwendung habe ich für sie leider nicht gefunden. Daher werden meine Inbusschlüssel entsorgt.

Und sonst so? Das hier:

Sonntag, 1. Februar 2026

Na dann prost!

Die Flaschen, die ihr auf diesem Bild seht, sind grob geschätzt 36 Jahre alt, zusammengerechnet. Wobei sich nicht mehr genau rekonstruieren lässt, wann der Wodka und der Pitú in unseren Besitz gelangt sind. Ich meine mich aber zu erinnern, dass ich sie schon hatte, bevor ich 2016 von Hamburg nach Mannheim gezogen bin. Der Wodka und der Pitú sind also schon ganz schön rumgekommen in ihrem Leben.


Dass ich nicht dazu neige, mir im Alltag ständig Cocktails zu mixen, ist keine neue Erkenntnis: Schon 2014 trennte ich mich hier auf diesem Blog von Cocktailgläsern. Und doch, früher war mehr Mixen. Zumindest gelegentlich bot ich bei Partys ein Getränk namens Watermelon Crush an, bestehend aus Wassermelone, Orangensaft und Wodka, man hob die Gläser auf den "Dude" und trank White Russian oder stampfte Limetten und Rohrzucker für Caipirinha

Heute sind große Partys die Ausnahme, und selbst wenn mal jemand etwas zu feiern hat, fragen die Leute nach alkoholfreiem Bier oder verabschieden sich um zehn, weil sie am nächsten Morgen früh raus müssen. Ganz klar: Wir sind älter geworden. Und ist ja auch gesünder, nicht so viel zu trinken.

"Wer regelmäßig Alkohol trinkt, hat ein sehr viel höheres Risiko für bestimmte Krankheiten wie eine Magenschleimhautentzündung, Bluthochdruck oder eine verfettete Leber", sagt der Internist Helmut Seitz in einem Interview mit dem SPIEGEL, und weiter: "Das Organ, das am empfindlichsten auf Alkohol reagiert, ist die weibliche Brustdrüse. Das wissen die wenigsten. Bei Frauen steigt daher das Risiko für Brustkrebs." Will man alles nicht haben.

Als der Liebste nach einem feuchtfröhlichen Konzertbesuch im Oktober die schon fast obligatorischen Worte "Nie wieder Alkohol!" aussprach, dachte ich nicht, dass er es ernst meinen würde. Und doch, seitdem hat er nichts mehr angerührt, hat Weihnachtsmärkte, Weihnachten, Silvester mit Apfelpunsch und 0,0-Sekt hinter sich gebracht. Das hat uns eine neue Welt eröffnet, die Welt der alkoholfreien Biere, Weine und Sekte, und da geht erstaunlich viel. Das Zeug schmeckt, macht keinen Kater, und weniger Kalorien hat es auch.

Sich das Schrankfach mit den Spirituosen vorzunehmen, war also überfällig. Das Foto von den fünf Flaschen stellte ich bei Nebenan.de rein - zu verschenken. Noch am selben Tag kam eine Svenja vorbei, wahrscheinlich in den 50ern, im Gepäck eine Tüte mit Badekristallen, selbst gemachter Erdbeermarmelade und einen Piccolo Sekt. Den Alkohol wollte sie mitbringen zur Party einer Freundin, sie freute sich sehr, genau wie ich. Die ganze Transaktion war ebenso nett wie unkompliziert, und ich hoffe, dass Svenjas Freundin einen fantastischen Abend mit ihren Gästen hatte.

Nicht im Bild ist der Rum, den wir im vorigen Jahr aus Sri Lanka mitgebracht haben. An unserem Abschiedsabend mit Rainer von Birdingtours tranken wir Rum mit ihm. Wir saßen unter den Sternen, die Wellen brachen sich vor uns am Strand, der Rum schmeckte rund, vanillig, mild. Es hätte schöner nicht sein können.

Anschließend verbrachten wir noch ein paar Tage in einem Boutiquehotel ein paar Kilometer weiter: "Bombay Bicycle Club", gerade mal sechs Zimmer, offenes Restaurant mit Dach aus Palmenbättern, einer dieser Orte, die Stress und Sorgen instant wegbeamen, und übrig bleiben nur noch Sonne, Meer und Tiefenentspannung. 

Und weil der Abschiedsrum mit Rainer so gut gewesen war, fragten wir auch dort danach. Sie hatten keinen Rum - aber wenn wir ihm Geld gäben, sagte der Mann, könne er den Küchenchef zum Einkaufen schicken, er werde dann gern welchen besorgen. Urlaubsselig nahmen wir das Angebot an.

Womit wir nicht gerechnet hatten: Der Küchenchef brachte uns eine ganze Flasche Rum mit, einen halben Liter, zum Ladenpreis. Und weil wir so viel Rum nicht austrinken wollten, füllten wir den Rest in eine Halbliter-Plastikwasserflasche. Ich dachte schon damals kurz darüber nach, ob das wohl eine geniale Idee war und ob der Alkohol wohl das Plastik angreift. Die Flasche wanderte in den Schrank, zum Pitú, Kahlua und all den anderen ungetrunkenen Spirituosen. Was soll ich sagen: Wir haben ihn nicht mehr angerührt. 

Die sechs Flaschen sind insgesamt mehr als 11.300 Kilometer mit uns gereist. Nun endet ihre Reise.

Alles andere, was diese Woche weg konnte, hatte keine spannende Geschichte zu erzählen. Es war einfach altes, schäbiges Zeug, das endlich in den Müll gewandert ist: