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Samstag, 9. Mai 2026

Der Panzer

Der Panzer war der teuerste Fehlkauf meines Lebens, knapp 4000 Euro habe ich 2022 dafür auf den Tisch gelegt. Der Panzer ist ein E-Bike von Flyer, und, obwohl Größe S, ist alles an ihm ein kleines Bisschen zu groß für mich: der Sattel ein paar Zentimeter zu hoch, der Lenker ein paar Zentimeter zu weit weg vom Sattel. 

Ich habe den Panzer gekauft, weil der Liebste und ich bekanntermaßen kein Auto haben und gern mal Ausflüge oder Urlaube mit dem Rad machen. Längere Ausfahrten endeten allerdings in der Regel so, dass ich verschwitzt und fertig war und der Liebste latent gelangweilt - wir radeln einfach unterschiedlich schnell. Das Problem schien wie gemacht dafür, durch ein E-Bike gelöst zu werden.

Richtig gern gefahren bin ich nie mit dem Panzer. Ihn zu erklimmen fühlte sich immer ein bisschen an wie eine Bergbesteigung. Und mit 30 Kilo Gewicht ist er ungefähr so manövrierfähig wie, nun ja - wie ein Panzer eben. Allein die Anstrengung, die es braucht, um das Ding in Schwung zu bekommen, bis der Motor anspringt, womöglich noch mit Gepäcktaschen! Auf freier Strecke war alles bestens, aber schon der Gedanke an Stop-and-Go im Stadtverkehr oder gar Anfahren am Berg löste Unwohlsein aus. Und wer schon mal versucht hat, weiß, ein 30-Kilo-E-Bike im ICE in eine Fahrradaufhängung reinzuhängen, weiß: Das ist nicht vergnügungssteuerpflichtig. 

Ich hatte also ein teures E-Bike, auf dem ich mich nicht wohlfühlte, war frustriert und fühlte mich irgendwie wie eine Versagerin: nicht mal in der Lage, ein passendes E-Bike zu kaufen. Dieser Zustand hielt etwa zweieinhalb Jahre an, in der Zeit stand das Rad die meiste Zeit im Keller, denn damit zu fahren, kostete mich jedes Mal Überwindung. Dann äußerte der Liebste die rettende Idee: Ich könnte den Panzer verkaufen und mir ein anderes Rad kaufen.

Ich brauchte ein bisschen, um mich für die Idee zu erwärmen - schon wieder so viel Geld ausgeben? Dann recherchierte ich wochenlang, wollte den selben Fehler nicht noch mal machen. Als ich schließlich fündig wurde und online ein passendes Modell fand, war ich fürchterlich nervös. Wirklich kaufen, ohne Probefahrt? Würde das diesmal passen? 

Was soll ich sagen: Es passte! Ich liebe meinen kleinen, blauen Renner. Er ist wendig, seine Größe passt genau zu meiner, und der Motor liefert zwar nicht ganz dieselbe Power wie der des alten Bikes, aber er muss ja auch nur 21 Kilo Gewicht bewegen.

Ich habe nun noch ein Jahr gebraucht, um in die Gänge zu kommen und den Panzer loszuwerden. Denn dafür musste ich mich komplizierten Fragen beschäftigen, vor allem der, wie viel Geld er wohl noch einbringen würde. Wie viel Verlust musste ich wirklich abschreiben? 

Vor ein paar Wochen habe ich mir einen Ruck gegeben, habe den Panzer geputzt, fotografiert und für 1400 Euro bei Kleinanzeigen reingestellt. Es folgte das übliche Hickhack mit Leuten, die erst Interesse  haben und dann doch nicht, mit Leuten, die erst 1000 Euro bieten und dann, wenn man ihnen schreibt, dass das nicht reicht, 850, mit Leuten, die weder hallo noch tschüs sagen, aber einen mit Nachrichten zuballern. 

Ich hatte schon fast aufgegeben, da meldete sich diese Woche ein freundlicher Rentner aus Quickborn. Er bot 1200 Euro an, kam heute Morgen vorbei, verhandelte nicht nach, gab mir das Geld in bar und nahm den Panzer mit. Es kann so einfach sein.

Sonntag, 29. März 2026

Mein Auftritt als wandelnde Aldi-Litfaßsäule

Da sind wir wieder! Wir waren auf einem "trip down memory lane" – in Costa Rica, wo wir uns vor zwölf Jahren kennen gelernt haben. Und dachten uns, man muss hier im Blog ja nicht breittreten, dass unsere Wohnung drei Wochen leersteht ... 

Schön war's jedenfalls. Aber danach brauchten wir erst mal etwas Zeit, um unseren Alltag auf die Reihe zu kriegen und wieder in den #daskannweg-Flow zu kommen.

Wie vor jeder Reise haben wir auch im Februar unsere Reisekiste aus dem Keller geholt: einen Karton voll mit Zeug, das man nur im Urlaub braucht. Und weil der Karton eine wahre #daskannweg-Schatzkiste war, haben wir vor Costa Rica noch schnell ein Reisespecial gemacht – #10dinge mit Reisebezug konnten weg. Darunter eine schon bedrohlich aufgeblähte Powerbank, ein Reiseadapter mit derart verbogenen Steckern, dass er sich der nur noch mit Gewalt in eine Steckdose stecken ließ, ein ziemlich peinlicher Fischerhut und Outdoorhandtuch Nummer fünf (Vermehren die sich eigentlich im dunklen Keller? Diese Frage bleibt wohl auf ewig unbeantwortet).

Eine andere Art von #daskannweg-Tradition pflege ich beim Kofferpacken: Ich lege immer viel zu viele Dinge in eine Klappkiste – alles, wovon ich denke: Das könnte man vielleicht mitnehmen. Vorm Einpacken wird dann wieder ausgepackt. So lange, bis ich die Menge an Gepäck für akzeptabel halte.

In einer der Auspackrunden musste diesmal mein Regencape dran glauben: zu knallgelb zum Tiere-Beobachten, und vor allem: zu großes Packmaß. So ein robustes Cape braucht man vielleicht fürs Hamburger Regenradeln, aber doch sicher nicht in den Tropen, in der Trockenzeit. Als wir 2014, ebenfalls im Februar, in Costa Rica gewesen waren, hatte es schließlich kein bisschen geregnet. 

Kurz vorm Zuklappen warf ich dann doch noch ein transparentblaues Einweg-Regencape in den Koffer, das ich ganz unten in der Reisekiste gefunden hatte – immerhin war es klein und leicht. Wo war das noch mal hergekommen? Keine Ahnung. Egal.

Selten habe ich mit einer Packentscheidung so danebengelegen. Denn diesmal regnete es in Costa Rica. Heftig. Anfangs dachten wir noch: besser ein kurzer Platzregen als den ganzen Tag Getröpfel. Doch dann drehte der Regen noch mal richtig auf – und dachte nicht dran aufzuhören. Es war höchste Zeit, das transparentblaue Einweg-Cape auszupacken.

Als ich es entfaltete, traute ich meinen Augen kaum. Auf der Brust prangten unter anderem ein Einkaufswagen, eine Gitarre, die Aufschrift "Dein Support Act" – und ein Aldi-Logo. Und dann fiel es mir wieder ein: Diese Capes hatte Aldi auf dem Deichbrand-Festival verteilt.

Das Aldi-Cape kam ausgiebig zum Einsatz. Denn es regnete, mit einigen Unterbrechungen, vier Tage lang. Ich schämte mich, als wandelnde Aldi-Litfaßsäule rumzurennen, aber immerhin hielt mich die dünne Plastikhaut notdürftig trocken. Zwischendurch rieb ich das Cape notdürftig ab, drehte es auf links und damit den Aufdruck nach innen.

Das Cape ist in Costa Rica geblieben. Es hat seinen Job erledigt. 

Aber irgendetwas sagt mir, dass die Geschichte der Reisekiste noch nicht zu Ende erzählt ist. Da wären beispielsweise die nagelneuen Schnorchelflossen, angeschafft nach einem atemberaubenden Schnorchelerlebnis auf Galapagos 2023. Sie hatten diesmal nicht in den Koffer geschafft, weil sie ziemlich sperrig sind und man auf Schnorchelausflügen meist kostenlos oder für kleines Geld Flossen leihen kann. Ob wir sie jemals benutzen werden? Fraglich. Aber momentan bringe ich es noch nicht übers Herz, sie auszusortieren – schließlich müsste ich mir dafür eingestehen, dass die Dinger ein Fehlkauf waren.

Was außer dem Regencape diese Woche weg konnte, erfahrt ihr hier:

Dienstag, 10. Februar 2026

Die Tasse aus der Vergangenheit

Als ich im September 2024 die BASF verließ, dachte ich darüber nach, dass ich eigentlich meinen ersten tollen LinkedIn-Post machen und das übliche Blabla schreiben müsste: wie schön es gewesen war, aber dass jetzt neue Herausforderungen warten und so weiter. Ihr kennt sie bestimmt alle.

Tatsächlich war der letzte Tag vollgepackt. Ich hatte Lieblingskuchen vom Café Blum organisiert (bester Kuchen in Mannheim), um meinen direkten Kollegen morgens in der Teamrunde eine letzte Freude zu machen. Und nachmittags viele liebe Kollegen, die ich in 18 Jahren Betriebszugehörigkeit kennen gelernt hatte, eingeladen, vorbeizuschauen und mit mir Kuchen zu essen. Ich war überwältigt, wie viele gekommen waren. Und dann war der Tag auch schon vorbei – es blieb ein Foto vom Einwerfen des Werksausweises, und das war's. Den LinkedIn-Post habe ich nie geschrieben. Um so seltsamer, jetzt noch mal über diesen Tag zu schreiben, nachdem ich über ein Jahr weg bin.

Die Tasse hatte ich irgendwann am Anfang meiner BASF-Zeit gekauft. Es gab sie im Zweierset, ich habe keine Ahnung, wo die andere hingekommen ist. Das Logo der BASF hat sich inzwischen geändert und auch meine Einstellung zu der Firma.

Und noch etwas ist anders: Damals, als ich die Tasse kaufte, war ich stolzer Mitarbeiter eines Dax-Konzerns, der auch zu Hause seine Zugehörigkeit zeigen wollte. Heute bin ich wieder stolzer Mitarbeiter, muss das aber in der Freizeit nicht ständig nach außen tragen. Mal im Firmenshirt laufen gehen ist okay, mehr muss nicht sein. 

Wir haben genug Tassen, und ich brauche keine Erinnerung an meine Arbeit, wenn ich am Wochenende gemütlich Kaffee trinken möchte, schon gar nicht an meinen Ex-Arbeitgeber. Also wanderte die Tasse nach dem Umzug nach Hamburg in den Keller.

Als wir die Küchenkiste aus dem Keller holten, wusste ich gar nicht mehr, was wir darin ausgelagert hatten. Aber als ich die Tasse sah, war mir sofort klar: Die kann weg!

Sonntag, 8. Februar 2026

Keller-Clean-up, Baby!

Alles, was du ein Jahr lang nicht benutzt hast, kann weg – das ist wohl einer der bekanntesten Ratschläge, wenn's ums Ausmisten geht. Höchste Zeit also, mal einen Blick in den Keller zu werfen. Und da stand sie: die Kiste mit den Küchensachen. 


Unsere Küche in Mannheim hatte ein paar Schränke mehr gehabt als die in Hamburg. Als wir Ende 2023 umzogen und unsere Küchenschränke einräumten, bekamen wir einfach nicht alles unter. Und so packten wir einiges in eine Kiste und in den Keller.

Zum Beispiel den Kaffeefilter – er stammt aus der Zeit, in der der Liebste noch eine Kaffeepad-Maschine hatte. Wenn meine Eltern, echte Coffeeholics, zu Besuch kamen, brühten wir damit Kaffee für sie auf. Das Milchaufschäumgefäß ist eine Kaffeegeneration jünger – aus der Vollautomat-Ära, aber vor der Kaffee-nur-schwarz-Ära. Den Spätzlehobel kaufte ich, als ich Foodredakteurin war und über Spätzle aus dem Kühlregal die Nase rümpfte. Die Geschichte der BASF-Tasse erzählt der Liebste selbst. All diese Dinge sind Grüße aus unserer Vergangenheit, die in unserem heutigen Leben keine Bedeutung und keinen Nutzen mehr haben.

Auch die Plastikbecher, die Kühlakkus, die Schraubgläser, die Vorratsgläser und die Flaschen haben etwas gemeinsam: Wir hatten erheblich zu viele davon. 

Überhaupt, Gefäße! Dosen und Gläser für Gewürze, Brot, Vorräte, selbst angesetzte Kräuteröle und mehr. Wann will man all das Zeug, das man darin aufbewahren könnte, kaufen oder herstellen? Wo soll man das alles lagern? Und wer soll das alles essen?

Nichts aus der Kellerkiste haben wir seit Ende 2023 vermisst. Einiges davon ging direkt in den Müll, manches in eine "Zu verschenken"-Kiste. Das Campinggeschirr darf zurück in den Keller, das brauchen wir nicht jeden Tag im Schnellzugriff. 

Und immerhin eine Plastikbox mit Deckel haben wir aus dem Kellerexil befreit und ihr eine neue Bestimmung gegeben: In ihr lagern jetzt diverse Küchenhelfer vom Dosenöffner bis zum Salatbesteck. Irgendwas sagt mir allerdings, dass das noch nicht das Ende unserer Küchendingereise war ...


Sonntag, 1. Februar 2026

Na dann prost!

Die Flaschen, die ihr auf diesem Bild seht, sind grob geschätzt 36 Jahre alt, zusammengerechnet. Wobei sich nicht mehr genau rekonstruieren lässt, wann der Wodka und der Pitú in unseren Besitz gelangt sind. Ich meine mich aber zu erinnern, dass ich sie schon hatte, bevor ich 2016 von Hamburg nach Mannheim gezogen bin. Der Wodka und der Pitú sind also schon ganz schön rumgekommen in ihrem Leben.


Dass ich nicht dazu neige, mir im Alltag ständig Cocktails zu mixen, ist keine neue Erkenntnis: Schon 2014 trennte ich mich hier auf diesem Blog von Cocktailgläsern. Und doch, früher war mehr Mixen. Zumindest gelegentlich bot ich bei Partys ein Getränk namens Watermelon Crush an, bestehend aus Wassermelone, Orangensaft und Wodka, man hob die Gläser auf den "Dude" und trank White Russian oder stampfte Limetten und Rohrzucker für Caipirinha

Heute sind große Partys die Ausnahme, und selbst wenn mal jemand etwas zu feiern hat, fragen die Leute nach alkoholfreiem Bier oder verabschieden sich um zehn, weil sie am nächsten Morgen früh raus müssen. Ganz klar: Wir sind älter geworden. Und ist ja auch gesünder, nicht so viel zu trinken.

"Wer regelmäßig Alkohol trinkt, hat ein sehr viel höheres Risiko für bestimmte Krankheiten wie eine Magenschleimhautentzündung, Bluthochdruck oder eine verfettete Leber", sagt der Internist Helmut Seitz in einem Interview mit dem SPIEGEL, und weiter: "Das Organ, das am empfindlichsten auf Alkohol reagiert, ist die weibliche Brustdrüse. Das wissen die wenigsten. Bei Frauen steigt daher das Risiko für Brustkrebs." Will man alles nicht haben.

Als der Liebste nach einem feuchtfröhlichen Konzertbesuch im Oktober die schon fast obligatorischen Worte "Nie wieder Alkohol!" aussprach, dachte ich nicht, dass er es ernst meinen würde. Und doch, seitdem hat er nichts mehr angerührt, hat Weihnachtsmärkte, Weihnachten, Silvester mit Apfelpunsch und 0,0-Sekt hinter sich gebracht. Das hat uns eine neue Welt eröffnet, die Welt der alkoholfreien Biere, Weine und Sekte, und da geht erstaunlich viel. Das Zeug schmeckt, macht keinen Kater, und weniger Kalorien hat es auch.

Sich das Schrankfach mit den Spirituosen vorzunehmen, war also überfällig. Das Foto von den fünf Flaschen stellte ich bei Nebenan.de rein - zu verschenken. Noch am selben Tag kam eine Svenja vorbei, wahrscheinlich in den 50ern, im Gepäck eine Tüte mit Badekristallen, selbst gemachter Erdbeermarmelade und einen Piccolo Sekt. Den Alkohol wollte sie mitbringen zur Party einer Freundin, sie freute sich sehr, genau wie ich. Die ganze Transaktion war ebenso nett wie unkompliziert, und ich hoffe, dass Svenjas Freundin einen fantastischen Abend mit ihren Gästen hatte.

Nicht im Bild ist der Rum, den wir im vorigen Jahr aus Sri Lanka mitgebracht haben. An unserem Abschiedsabend mit Rainer von Birdingtours tranken wir Rum mit ihm. Wir saßen unter den Sternen, die Wellen brachen sich vor uns am Strand, der Rum schmeckte rund, vanillig, mild. Es hätte schöner nicht sein können.

Anschließend verbrachten wir noch ein paar Tage in einem Boutiquehotel ein paar Kilometer weiter: "Bombay Bicycle Club", gerade mal sechs Zimmer, offenes Restaurant mit Dach aus Palmenbättern, einer dieser Orte, die Stress und Sorgen instant wegbeamen, und übrig bleiben nur noch Sonne, Meer und Tiefenentspannung. 

Und weil der Abschiedsrum mit Rainer so gut gewesen war, fragten wir auch dort danach. Sie hatten keinen Rum - aber wenn wir ihm Geld gäben, sagte der Mann, könne er den Küchenchef zum Einkaufen schicken, er werde dann gern welchen besorgen. Urlaubsselig nahmen wir das Angebot an.

Womit wir nicht gerechnet hatten: Der Küchenchef brachte uns eine ganze Flasche Rum mit, einen halben Liter, zum Ladenpreis. Und weil wir so viel Rum nicht austrinken wollten, füllten wir den Rest in eine Halbliter-Plastikwasserflasche. Ich dachte schon damals kurz darüber nach, ob das wohl eine geniale Idee war und ob der Alkohol wohl das Plastik angreift. Die Flasche wanderte in den Schrank, zum Pitú, Kahlua und all den anderen ungetrunkenen Spirituosen. Was soll ich sagen: Wir haben ihn nicht mehr angerührt. 

Die sechs Flaschen sind insgesamt mehr als 11.300 Kilometer mit uns gereist. Nun endet ihre Reise.

Alles andere, was diese Woche weg konnte, hatte keine spannende Geschichte zu erzählen. Es war einfach altes, schäbiges Zeug, das endlich in den Müll gewandert ist:



Donnerstag, 28. Januar 2016

Ist mein Mail-Account kaputt? [Gastbeitrag]


In letzter Zeit beschleicht mich immer öfter das Gefühl, dass der Liebste still und heimlich zum besseren #daskannwegger in dieser Beziehung geworden ist. Insofern hätte ich mich wohl gar nicht wundern sollen, als mich heute Morgen um 7:28 Uhr - ich lag noch im Bett - eine WhatsApp mit folgendem Text erreichte: ich schreib grad n das kann weg gastbeitrag ;) Er schrieb in der Straßenbahn, auf dem Weg zur Arbeit, in den iPhone-Notizblock. Weil ihm das Thema ein Anliegen war. Aber lest selbst: 

Am Sonntag habe ich wirklich gedacht, mein E-Mail-Account sei kaputt. Ich wartete auf eine wichtige Mail, schon seit einer Woche. Die letzte Mail kam Freitag – das kann doch nicht sein! Mit dem beruflichen E-Mail-Account eine Testmail geschickt ... alles in Ordnung.

Was das mit #daskannweg zu tun hat? Von der Wegwerffrau habe ich gelernt, dass man Dinge, die man nicht braucht, wirklich nicht braucht. Das betrifft nicht nur Gegenstände, sondern auch ungewollte elektronische Post. Natürlich kann man den üblichen Spam zu Viagra und versprochenen tollen Sex-Dates nicht abstellen, aber dafür gibt's ja den Spam-Filter, der bei Gmail gut funktioniert.

Mir geht es um Newsletter: Jeder Onlinehändler, bei dem ich mal was bestellt habe, will mich über seine Angebote informieren, jeder, der irgendwie mal an meine Mail-Adresse gekommen ist, will mir schreiben. Das ist ja nett gemeint - aber gelesen habe ich diese Mails nie.

Das führte dazu, dass mein iPhone mich jeden Tag daran erinnerte, dass noch 128 ungelesene Mails darauf warten, gelesen zu werden - wenn auch diskret mit einem roten Kreis an der Mail-App. Ich wollte diese Mails gar nicht lesen. Aber trotzdem blieb immer die Ungewissheit: Vielleicht ist eine dieser 128 Mails doch kein Newsletter, sondern wichtig.

Nach einem sonntäglichen Gespräch, bei dem ich mich über die immense Zahl an Newslettern in meinem Postfach beschwerte, hatte die Liebste mal wieder die pragmatische Lösung: abbestellen! Das tat ich ab diesem Tag, mit aller Konsequenz. Bei jeder Mail, die reinkam, drückte ich den Unsubscribe-Button. Auch wenn der sich meist ganz klein am Ende der Mail versteckt und schön unscheinbar ist: Es gibt ihn wirklich - und er funktioniert. Der Newsletter von einem Versandhändler, bei dem ich irgendwann mal ein Geschenk gekauft habe? Weg. Der Newsletter vom Schuhhändler, der mit schreienden Frauen wirbt? Weg. Der vom Lieferdienst? Weg. Ich könnte ewig so weitermachen.

Ein halbes Jahr lang bin ich immer mal wieder die Ungelesen-Mails durchgegangen und habe noch etliche Newsletter abbestellt. Ganz newsletterfrei bin ich natürlich immer noch nicht: Ich bekomme das Kinoprogramm, das ich gerne studiere, Infos von einem Konzertveranstalter und von einem Softwarehändler, der Sonderangebote anpreist. Das reicht mir völlig aus: Wenn ich etwas suche, kann ich Google bemühen. Ich gehöre sowieso nicht zu der Sorte Menschen, die etwas kauft, nur weil es gerade angeboten wird.

Daher: Newsletter können weg!

Dienstag, 23. Dezember 2014

Tag 357 - Die Musikexpress-CDs

Weihnachten naht, ich bin bei meiner Familie und hab keine Lust, die nächsten Tage so zu tun, als würde ich fleißig ausmisten, wo ich doch in Wahrheit singend unterm Tannenbaum rumhänge und Lebkuchen esse. Da aber das Motto "jeden Tag des Jahres ein Gegenstand aus meinem Besitz" natürlich weiter gilt, musste eine Vielzahl gleichartiger Gegenstände her, die mich über die faulen Weihnachtstage bringen würde. Etwas Geeignetes fand ich schließlich in einem der berühmten Kartons auf dem Bücherregal: ein Berg Gratis-CDs, die einst der "Musikexpress" beilagen, einer Zeitschrift, die ich in meiner Jugend ziemlich regelmäßig gekauft habe. Wie man sieht - jede CD steht für eine gekaufte Zeitschrift.

Wie alle Jugendlichen fand auch ich in meiner Jugend Musik irre wichtig und bedeutsam. Welche Musik jemand hörte, definierte, wer jemand WAR. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, eine Freundschaft - oder gar mehr - mit jemandem anzustreben, der Technomusik mochte! Heute weiß ich ziemlich genau, wer ich bin und was mir wichtig ist. Ich weiß, dass es Wichtigeres gibt als die bloße Tatsache, dass man denselben Musikgeschmack hat. Dennoch erinnere ich mich mit einem Lächeln an diese Zeit zurück, und die CDs scheinen mir wie Stellvertreter dafür. Wäre es nicht frevelhaft, mich von den CDs zu trennen? Würde ich damit nicht auch die Erinnerung an meine Jugend wegwerfen?

Ach, wisst ihr: Was für ein sentimentaler Quatsch. Die meisten CDs hab ich genau einmal angehört, das meiste nicht gemocht und sie dann in den Schrank gepackt. In den Neunzigern! Die Lieder, die mir gefielen, hab ich mir auf den PC gezogen - ich glaube es war 1997 (ich war damals ganz weit vorne beim Thema digitale Musikverwaltung). Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mühevoll jedes einzelne Lied erst in eine WAV-Datei umwandeln und anschließend in ein MP3 konvertiert habe. Und selbst diese Lieblingslieder vom CD-Berg hab ich seit vielen Jahren nicht mehr angehört.

Natürlich gab es immer mal wieder Pläne, die CDs noch mal durchzuhören. Vielleicht mag ich ja heute was, was mir vor 18 Jahren noch nicht gefallen hat? Kann schon sein. Aber Tatsache ist, ich hab seit Jahren keine Lust darauf. Ich leg den Plan jetzt zu den Akten. Und die CDs können weg.

Freitag, 19. Dezember 2014

Tag 353 - Das weinrote Haarband

Ist das etwa die Pantone Farbe des Jahres 2015, Marsala? Könnte sein, ich bin mir nicht sicher. Wahrscheinlich ist es aber ein bisschen zu wenig braun dafür. Aber selbst, wenn's so wäre: Dieses Haarband ist zu eng und ist furchtbar unbequem. Abgesehen davon mag ich echtes Rot ohnehin lieber, Farbe des Jahres hin oder her. Das Haarband kann weg.

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Tag 352 - Die DVD "Der Pianist"

DVDs und ich, wir sind nie so richtig warm geworden miteinander. Ich hab mir erst ziemlich spät einen DVD-Player gekauft und nie richtig angefangen, DVDs zu kaufen. Ich seh nicht so richtig viel Sinn darin, denn ich möchte mir die wenigsten Filme mehr als einmal anschauen. Streaming ist genau mein Ding, deshalb hab ich einen Account bei Amazon Instant Video.

In meiner DVD-Sammlung, wenn man die klägliche Anzahl zusammengewürfelter DVDs zu nennen will, ist sogar ein Film, den ich immer noch nicht gesehen habe: "Der Pianist". Sie stammt aus derselben Kollektion wie "Sprich mit ihr", das an Tag 238 an der Reihe war. Ich habe die beiden DVDs auf demselben Weihnachtsbasar gekauft. Sie sind ein guter Beweis dafür, dass man sich dem Schnäppchen-Reflex nicht nachgeben sollte: Noch mehr als bei einem Schnäppchen kann man sparen, wenn man das Schnäppchen (das man weder wirklich haben will noch braucht) NICHT kauft. Die DVD kann weg.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Tag 351 - Das gestreifte Oberteil

Das gestreifte Oberteil hab ich aus einem richtig tollen Klamottenladen im Karoviertel: Cyroline. Da hab ich schon einige Lieblingsteile gekauft - für dieses hat es aber nie zu diesem Ehrentitel gereicht. Das Material - Rayon, Polyester und Spandex - fasst sich zwar schön weich an, hat aber schon beim ersten Tragen angefangen, Knötchen zu bilden. Außerdem ist es natürlich - typisch Kunstfaser - null atmungsaktiv.

Und wenn man die Sache mal ganz nüchtern betrachtet: Das Oberteil sieht verdammt nach Schlafanzug aus. Und wer will schon im Schlafanzug auf der Straße rumlaufen? Das Oberteil kann weg.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Tag 350 - Die gepunktete Tasse

Liebe Steph, du hast vor Monaten mal gesagt, du wärest nicht beleidigt, wenn ich auf dem Blog auch was ausmisten würde, was du mir mal geschenkt hast. Das hier ist quasi ein Test ;) Die gepunktete Tasse ist zwar hübsch, aber unpraktisch: Es geht einfach viel zu wenig rein, außerdem kippelt sie. Sie kann weg.

Montag, 15. Dezember 2014

Tag 349 - Der Modeschmuck

Passend zu diesen goldenen Creolen hatte ich mal einen Armreif. Den hab ich auf dem Flohmarkt verkauft und damals noch in meinem Schmuckkästchen nach den Ohrringen gekramt, um sie dem Mädel auch noch aufschwatzen zu können - vergebens. Da dachte ich, ich hätte sie wohl doch schon weggegeben. Jetzt sind sie mir wieder in die Hände gefallen. Ich mag nicht mal echten Goldschmuck (steht mir nicht), aber diese billigen Imitate aus Fake-Antikgold schon gar nicht. 

Überhaupt finde ich in den Ecken meiner Wohnung immer wieder schrottigen Modeschmuck: mädchenhafte Haarspangen oder billige Ohrringe. Ob sich das Zeug wohl heimlich in dunklen Schubladen vermehrt? Wie auch immer, es kann weg - und damit ist das Nest nun hoffentlich ausgerottet.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Tag 345 - Das Johannisbeergelee

Jajajaja, Marmelade kann man ewig aufheben, weiß ich. Aber sollte man wirklich? Dieses Johannisbeegelee hier steht offen in meinem Kühlschrank, und zwar schon länger, als ich zurückdenken kann. Ich schätze mal, mindestens eineinhalb Jahre. Denn ich esse so gut wie nie Marmelade und selbst wenn, dann nicht Johannisbeergelee. Der Liebste isst zwar gern Marmelade, aber für Johannisbeergelee hat er nix übrig, ansonsten frühstücken hier nur höchst selben Leute.

Das Gelee hat meine Mama selber eingekocht und mal mit hergebracht, ich vermute, als meine Eltern mich besucht haben - beide große Marmeladenfans. Sie waren es auch, die das, was im Glas fehlt, gegessen haben. Seither schiebe ich das Marmeladenglas in meinem Kühlschrank von einer Ecke in die andere und frage mich, wie das Glas je leer werden soll und ob das Gelee nicht doch irgendwann anfängt zu verderben. Aber wegwerfen? Selbstgemachtes? Von Mama? Darf man das? 

Man darf. Sag ich jetzt einfach mal so. Ich sage: Das Johannisbeergelee kann weg.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Tag 344 - Der Kühlschrankmagnet

Liebe Mama, wie du inzwischen weißt, ist meine Kühlschranktür nicht magnetisch. Deshalb kann der Kühlschrankmagnet weg. Er wird bei der Weihnachtsfeier verwichtelt, hoffentlich an eine Person mit magnetischer Kühlschranktür.

Dienstag, 9. Dezember 2014

Tag 343 - Die schwarze Sweatjacke

Kürzlich suchte ich was Kompententes zum Anziehen. Mein Kleiderschrank gibt in dieser Hinsicht nicht sonderlich viel her: Mein letztes Jackett hab ich am 21. Februar aussortiert, und das war auch eher kitschig als kompetent. Da fiel mir wieder die schwarze Sweatjacke in die Hände, die ich im vorigen Jahr von Nicole geswapt habe. Ein hübsches, jackettartiges Jäckchen, genau richtig zwischen casual und schick. 

Nur nicht an mir. Die Ärmel sind mindestens zehn Zentimeter zu lang. Da man das Jäckchen offen trägt, kann es eigentlich gar nicht "nicht passen".  Aber wenn ich die Sache mal schonungslos ehrlich betrachte, muss ich zugeben: Das Jäckchen würde besser sitzen, wenn es ein wenig größer wäre. So steht es mir nicht. Ich hab dann was anderes Kompetentes zum Anziehen in meinem Schrank gefunden. Und das Jäckchen kann weg.

Montag, 8. Dezember 2014

Tag 342 - Die Battlestar-Galactica-DVDs

Heute ist mal wieder was zu verbloggen, das mir gar nicht gehört: Diese DVDs gehören meinen Freunden Höve und Birte aus Husum. Als sie mir die ausliehen, wohnten sie allerdings noch in Schleswig. Das ist schon eine Weile her. Leider schaffen wir es nicht so oft, uns zu sehen, wie wir uns alle wünschen, aber das ist nicht der Grund, warum ich die DVDs immer noch habe: Ich hab sie noch nicht angesehen.

Ich bin ein Serienjunkie, und auch, wenn ich sonst eher auf Krimi gebucht bin als auf Science Fiction, hab ich schon als Kind gern Star Trek gesehen und später alle Staffeln Babylon 5. Ich hab mit Battlestar Galactica angefangen, aber weit bin ich nicht gekommen. Seitdem liegen die DVDs bei mir rum, und ich mochte sie nicht zurückgeben, denn dann wär ja sicher die Frage gekommen: Und, wie fandest du's? Was sollte ich denn dann sagen? Ich weiß jetzt, eine ehrliche Antwort ist die beste: Die Serie war irgendwie nix für mich. Sie kann weg zurück.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Tag 341 - Die Glitzerstrümpfe

Es weihnachtet sehr bei daskannweg! Deshalb gibt's heute Glitzerstrümpfe, die ich mir mal in einem Zustand geistiger Umnachtung gekauft haben muss. Denn erstens kratzen sie wie blöd und zweitens find ich Strumpfhosen viel praktischer, weil wärmer und bequemer. Die Glitzerstrümpfe können weg.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Tag 337 - Das rote Tüchlein mit den weißen Punkten

Höchste Zeit, mal wieder eins meiner zahlreichen Halstücher auszusortieren - das letzte Mal ist immerhin schon fünf Monate her. Es ist eigentlich weniger ein Halstuch als vielmehr ein Halstüchlein: klein, quadratisch, zart und gepunktet. So was trugen wahrscheinlich elegante Damen in den 50er-Jahren. Mir fehlt offenkundig die Fähigkeit, so ein kleines Tüchlein mit Stil zu tragen. Deshalb lag es schon lange im Schrank. Und nun kann es weg.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Tag 336 - Das kleine Schwarze

Auch wenn ich im Alltag meistens mit Jeans und T-Shirt rumlaufe: Ich liebe Kleider. Ich liebe die Idee, ein Kleidungsstück anzuziehen und fertig zu sein. Schön zu sein. Deshalb hab ich diverse kleine Schwarze im Schrank. Vier, um genau zu sein (eins ist eigentlich eher ein kleines Anthrazitfarbenes), ich war kurz nachzählen. Ich bin eigentlich der Meinung, es müsste noch ein fünftes geben, aber das finde ich gerade nicht.

Das kleine Schwarze, um das es heute geht, ist schulterfrei und knielang. Ich hab es vom Kleidertausch und kein einziges Mal getragen. Weil die Zahl der Anlässe, bei denen ich ein kleines Schwarzes tragen könnte, in meinem Leben begrenzt ist. Weil ich schulterfrei nicht hundertprozentig vorteilhaft finde. Und weil mir meine anderen kleinen Schwarzen besser stehen. Dieses kann weg.

Montag, 1. Dezember 2014

Tag 334 - Die fernbedienbaren Steckdosen

Fernbedienbare Steckdosen? Ja, ihr habt richtig gelesen. Und soll ich euch mal was sagen? Eigentlich halte ich fernbedienbare Steckdosen für eine richtig gute Sache. Ich hatte mal zwei, da waren meine Stehlampen dran angeschlossen. Damals musste man nie zwischen Sofa und Stereoanlage rumkriechen und den An-/Aus-Schalter der Lampe suchen! Ein Klick, und es wurde Licht.

Als die Fernbedienung irgendwann nicht mehr funktionierte, besorgte ich mir ein neues Set, aber trotz wiederholter Versuche krieg ich es nicht zum Laufen. Dass ich durchaus in der Lage bin, fernsteuerbare Steckdosen zu programmieren, hab ich in der Vergangenheit bewiesen, daher nehm ich an, die Dinger haben eine Macke. Trotzdem stopfte ich sie erst mal in die Olle-Elektronik-Kiste - sie nicht zum Laufen zu kriegen, kam mir vor wie ein Scheitern. Und das mit dem Scheitern hab ich hier ja schon mal dargelegt.

Vielleicht gehen sie ja doch und ich krieg's nur nicht hin. Aber wisst ihr was? Mir doch egal. Die Dinger haben mich lange genug genervt. Ich hab lang genug Zeit damit vergeudet, auf ihnen rumzudrücken, ohne dass sie funktionierten. Und nun liegen sie schon viel zu lange hier rum. Sie können weg. Und ehrlich gesagt, ich brauch auch keine anderen - es geht auch ohne.