Eins war klar: Ich konnte Hamburg auf keinen Fall ohne einen
Abschieds-Swap verlassen.
Ziemlich
genau vor einem Jahr hatten wir zum letzten Mal bei mir Kleider
getauscht, die Fragen nach einem neuen Termin häuften sich, es
war eine gute Gelegenheit, meine Mädels mal wieder bei mir zu
versammeln – und
natürlich hatten sich in meinem Schrank mal
wieder auf mysteriöse Weise mehr als genug Teile angesammelt, die
ich nicht mehr trage. Plus, ihr erinnert euch vielleicht, der
peinliche
STAPEL
hinter meiner Schlafzimmertür, den es eigentlich schon lange
nicht mehr geben sollte.
Das Erste, was ich rund um diesen Swap gelernt habe, war: Wenn ihr
Leute einladet und wollt, das sie kommen, müsst ihr nur sagen, dass
ihr die Stadt verlassen werdet. Im vorigen Jahr waren wir acht,
diesmal hatte ich 17 Zusagen. Am Ende waren wir 15.
So ein Termin musste natürlich gut vorbereitet werden. In den
verangenen zwei Wochen habe ich jedes. Einzelne. Kleidungsstück. In
meinem Kleiderschrank angezogen und begutachtet:
Mag ich das? Trag
ich das? Brauch ich das? Alles andere kam auf den großen
Swap-Stapel. Das ist er (ach ja, und wer behauptet, dass man mit Handys heute schon richtig tolle Fotos machen kann - lügt).
Weil das Schrankfach irgendwann einfach voll war, musste ich noch ein paar Sachen
auf die Kleiderstange hängen.
Alles, was Löcher an Stellen hatte, an denen man es nicht gut
flicken kann, ging direkt in die Altkleidersammlung, ebenso alles
Verwaschene, Ausgeleierte und Ausgebeulte. Ja, auch die abgeliebten
Lieblingsteile! Sogar das schwarzrotgestreifte Shirt, mit dem ich
jahrelang auf meinem Facebook-Profilbild zu sehen war. Dieses
Profilbild war das erste, was der Liebste von mir gesehen hat (wir
sind gemeinsam verreist und vor der Reise gab es eine Facebook-Gruppe
zum Vorab-Kennenlernen) und von dem er noch heute behauptet, er habe
sich quasi blitzverliebt (er formuliert es anders, aber es kommt mehr
oder weniger darauf raus). Dieses hier:
Am Ende waren es zwei Tüten. Gut, dass der Altkleidercontainer gleich um die Ecke ist.
Außerdem eine ganze Tüte voller Schuhe, unter anderem drei Paar
abgelatschte Sneakers, teilweise mit Loch, ein Paar Ballerinas, in
denen ich im vorigen Jahr blutige Füße hatte, und die schönen
gelben Sandalen, die leider links ausgeleiert sind, so dass nicht nur
der Zeh vorne rausguckt, sondern gleich der halbe Schuh
hinterherrutscht. Etwas erschreckend ist übrigens, dass ich schon
am
14. Juli 2014 Folgendes schrieb:
„Ich habe diverse Paar alte
Turnschuhe, die ich kaum oder nicht mehr trage:
silberne (von Nike, leider schon
recht abgenutzt)
braun-orangefarbene (von adidas,
sind halt braun-orangefarben, passen daher zu nix in meinem Schrank)
schwarze mit Stoffeinsätzen (von
Puma, heiß geliebt, leider mit einem kleinen Loch)
spitze grüne mit Silberstreifen
(von Onitsuka Tiger, bisschen arg extravagant und außerdem
grün)“
Nun ja. Die drei oberen der erwähnten Paar gingen
in die Altkleidersammlung, die spitzen grünen in den Swap.
Manchmal dauert es eben ein bisschen länger, sich zu verabschieden.
Außerdem hab ich versucht, möglichst viel anderes Zeug in meiner
Wohnung schon mal zu sortieren, damit die Mädels, wenn sie schon mal
da sind, auch noch andere Dinge mitnehmen können. Das sah noch ein
bisschen beeindruckender aus als auf diesem Bild zu, was ihr ja schon kennt. Das
Resultat habe ich allerdings leider nicht fotografiert. Vielleicht kann ich noch ein Bild nachreichen, ich meine, jemand anderes hat fotografiert.
Als ich bereit war, sahen meine Kleiderberge so aus:
Dann kamen die anderen Mädels.
Es war wie immer. Mit viel Lachen. Und Bier. Und Sandwiches aus dem Sandwichtoaster, der mal Steph gehörte, lange auf meinem Küchenschrank stand und den jetzt Anna bekommt. Und Julias leckeren Muffins. Mit "Das seh ich an dir, Katrin" und "Nee, das ist mir viel zu sehr Mädchen". Mit einer Kleiderstange, die irgendwann unter zu vielen Klamotten einfach zusammenbrach.
Wild. Laut. Wunderbar.
Am Ende hatte Helene Töpfe für die Zweitwohnung ihres Mannes und eine Glitzertasche für ihre Tochter, Liske nahm Baldur's Gate mit, Christine Dungeon Siege III und Ariane war begeistert, dass sie für neue Glasgefäße diesmal nicht zu Ikea fahren muss.
Eva hat jetzt schon ein kariertes Kleid, das sie tragen kann, wenn sie in fünf Tagen aus dem Kreißsaal kommt, und Insa steht das blaue Kleid, das ich auf Evas Hochzeit anhatte, viel besser als mir.
Freddy freut sich wie blöd über das pinkfarbene Top von Monki, genauso sehr wie ich mich über ihr kariertes Kleid von Vero Moda. Imke kann offenbar einfach alles tragen, sogar die durchsichtige Wallewalle-Bluse, in der ich mir immer albern vorkam, und stylte sich nachts um 12 in meinem Schlafzimmer auf bayrisches Cowgirl - fehlen nur noch Hut und Coyboystiefel.
Ich weiß nicht, was Julia und Steph am Ende mit nach Hause genommen haben, irgendwie muss ich wohl die Übersicht verloren haben - kein Wunder. Ganz vorbei ist der Swap nich nicht. Die Strohsterne bringe ich Christine (der anderen Christine) heute Abend mit, Nicole holt noch den guten Whisky ab und Annas WG erbt meine angebrochenen Alkoholika. War eben doch ein bisschen viel zum Abtransportieren.