Samstag, 25. April 2026

Die Stiefel der Schande

Seit mindestens einem Jahr suche ich online immer mal wieder nach grauen Stiefeletten. Absätze zu hoch, nicht meine Größe, komische Bommeln, affige Schnallen, zu warm gefüttert, zu sehr Cowboy -irgendwas war immer. 

Doch dann klickte ich Ende März mal wieder im Internet herum, und da waren sie plötzlich, in einem Shop namens Fjorden Mode Berlin: genau die grauen Stiefeletten, von denen ich immer geträumt hatte. Für gerade mal 59 Euro, im Final Sale. 

Von Fjorden Mode hatte ich noch nie gehört, trotzdem überlegte ich nicht lange und bestellte. Gleich danach kam eine nette Mail; die Absenderin, sie hatte nur einen Vornamen, teilte mir mit, dass es ein paar Tage dauern werde, bis meine Bestellung bei mir sei. Als die Stiefeletten zehn Tage später immer noch nicht da waren, klickte ich auf den Trackinglink in der Bestellbestätigung. Und stellte fest: Die Sachen kommen per JunExpress - das klingt chinesisch und ist es auch. 

Denn: Fjorden Mode Berlin, dieser Shop, der die deutsche Hauptstadt im Namen trägt und auf dessen Website in dicken Lettern "Ihr Mode-Hotspot in Deutschland" steht, dieser Shop sitzt in Hongkong. Das steht sogar auf deren Website, natürlich ganz klein und ganz unten, aber ich hätte es lesen können, wenn ich nicht blind gewesen wäre vor lauter Stiefeletten-Vorfreude.

Die war nun deutlich getrübt. Und als das Paket endlich da war, war alles genau wie befürchtet. Die Stiefeletten stanken unerträglich nach Chemie, etwas zu groß waren sie mir außerdem. Das T-Shirt, das ich mitbestellt hatte, war aus Synthetikstoff und hatte eine entschieden seltsame Passform. Ich hatte mir billigen, stinkenden Chinaschrott bestellt. Die Rücksendung nach Hongkong hätte ich selbst bezahlen müssen. Pakete bis fünf Kilo kosten bei DHL 45,99 Euro Versandgebühr. 

Wenn ich nicht so blind gewesen wäre vor lauter Stiefeletten-Vorfreude, hätte ich die Wahrheit über Fjorden Mode vor der Bestellung schnell herausfinden können. Bei Trustpilot hatte der Shop zum Zeitpunkt meiner Bestellung die sagenhafte Bewertung von 2,0. Außerdem sind online mehrere Artikel, unter anderem dieser von der Tagesschau, über Fjorden Mode und andere betrügerische Shops zu finden. 

Ich kam mir ziemlich dämlich vor, war aber noch nicht ganz bereit aufzugeben. Ich stellte die Stiefeletten ein paar Tage auf dem Balkon, in der Hoffnung, dass der Geruch verfliegt. Dann trug ich sie einen Tag im Büro. Sie waren nicht besonders bequem, viel schlimmer aber war der Gestank. Ich bekam Kopfschmerzen davon; in meinem Büro hielt ich es nur aus, wenn ich das Fenster öffnete. 

Eine Kollegin bewunderte die Stiefeletten zuerst. Als ich ihr die ganze Tragödie erzählte, sagte sie: Stimmt, jetzt rieche ich es auch. Sie verwies auf Chrom VI, einen Stoff, der zum Gerben von Leder verwendet wird und der ein starkes Kontaktallergen ist. Prompt fingen meine Beine an zu jucken. Psychosomatisch? Vielleicht. 

An diesem Tag ging ich früher nach Hause. Ich schleuderte die Stinkedinger von den Füßen und rubbelte meine Beine ab. Ich dachte kurz darüber nach, die Stiefeletten über Vinted zu verhökern. Aber das käme mir unredlich vor. Die 59 Euro sind Lehrgeld, und die Stiefel der Schande gehen dahin, wo Chinaschrott hingehört: in die Mülltonne.

Fjorden Mode kann man über die Google-Suche übrigens noch auffinden. Wer auf das Suchergebnis klickt, landet aber auf Leon Boutique Berlin. Die Firma, die dahintersteckt, ist dieselbe wie bei Fjorden Mode. Sie sitzt, na klar: in Hongkong.

Dienstag, 7. April 2026

Fahrradnavi from Hell

Ursprünglich hatte ich mir das Fahrradnavi, ein Garmin Oregon 750 mit Farbdisplay, zum Geocachen gekauft. Mit der Bedienung war ich von Anfang an nicht zufrieden. Außerdem habe ich erst später verstanden, dass bei dem Gerät keine Karten dabei waren. Ich musste zusätzlich zu dem hohen Anschaffungspreis – fast 500 Euro – noch mal, glaube ich, über 100 Euro ausgeben, um eine vernünftige Karte zum Navigieren zu haben. Das fand ich schon sehr ärgerlich. Aber ich habe in dem Moment lieber noch mal etwas nachinvestiert, als mir einzugestehen, dass das Gerät vielleicht nicht so gut war oder nicht das Richtige für mich.

2019 haben Angie und ich einen Fahrradurlaub gemacht, mit dem Rad durch die Lüneburger Heide und über den Weserradweg bis nach Wesel. Das Fahrradnavi war mit im Gepäck, die Navigationsfunktion habe ich damals aber nur selten genutzt – ich hatte das Gerät nur als elektronische Landkarte mit eingeblendeter Route dabei. Das hat gut funktioniert. Ich konnte die Routen vorher auf eine extra SD-Karte (nächster Zusatzinvest!) laden und dann dem farbig auf der Landkarte hinterlegen Weg folgen. Die benötigten GPX-Dateien für die Radwege, die wir gefahren sind, waren im Internet zu finden.

2021 waren wir dann mit dem Rad in Belgien unterwegs, von Brüssel nach Brügge. Dort gingen die Probleme los. Ich kann mich noch sehr gut an eine verregnete 70-Kilometer-Tour nach Gent erinnern. Irgendwann hatten wir keine Lust mehr, durch den Regen zu fahren. Die reguläre Strecke hätte uns sehr weit um Gent herumgeführt, damit man nicht so viel mit dem Fahrrad durch die Stadt musste. Wir entschieden, die Route zu verlassen und auf direktem Weg selber zum Hotel zu navigieren. Das Foto ist entstanden, als wir endlich angekommen sind.

Es stellte sich schnell heraus, dass das ein echt dumme Idee gewesen war. Es regnete in Strömen, und in Gent gab nicht wie im Rest von Belgien schöne Radwege, stattdessen nur Straßen mit vielen Autos und erstaunlich vielen Straßenbahnschienen. Und zu allem Überfluss fing der Akku des Navi an, besorgniserregende Ladestände anzuzeigen. Irgendwann ging das Gerät komplett aus. Mit einer Hand am Lenker und dem Handy mit Google Maps in der anderen kamen wir zwar irgendwie ans Ziel. Aber danach war klar: Der Akku hält keine Tagestour mehr aus.
Das Foto ist entstanden, als wir endlich angekommen waren.
2023 habe ich noch versucht, das Gerät zu retten, und einen neuen Akku gekauft. Damals war das Navi schon so alt, dass es den Ersatzakku nur auf dem Zweitmarkt gab, nicht mehr als offizielles Ersatzteil. Die Probleme löste der neue Akku nicht.
Danach lag das Fahrradnavi lange im Schrank, irgendwie war ich nicht bereit, es wegzuwerfen. Letztes Jahr habe ich wieder angefangen, mehr Fahrrad zu fahren, und wollte auch Strecken von Komoot nutzen (was mit der Handy-App jedes Mal den Handyakku leer saugt). Also habe ich mir ein neues Fahrradnavi gekauft, tatsächlich wieder ein Garmin, diesmal das Edge 1040.

Und was soll ich sagen: Die Dinger haben sich sehr positiv weiterentwickelt! Man kann Komoot-Tracks laden, externe Sensoren anbinden, zum Beispiel für Geschwindigkeit oder Trittfrequenz, oder – ganz neu für mich – die getretene Leistung messen. Insgesamt bin ich sehr zufrieden damit und benutze es sehr gern. Letztes Jahr haben wir damit auch schon die erste Mehrtagestour absolviert, auf der Flamingoroute durch das Münsterland und die Niederlande.

Das alte Fahrradnavi kann damit weg und in den Elektroschrott.