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Samstag, 9. Mai 2026

Der Panzer

Der Panzer war der teuerste Fehlkauf meines Lebens, knapp 4000 Euro habe ich 2022 dafür auf den Tisch gelegt. Der Panzer ist ein E-Bike von Flyer, und, obwohl Größe S, ist alles an ihm ein kleines Bisschen zu groß für mich: der Sattel ein paar Zentimeter zu hoch, der Lenker ein paar Zentimeter zu weit weg vom Sattel. 

Ich habe den Panzer gekauft, weil der Liebste und ich bekanntermaßen kein Auto haben und gern mal Ausflüge oder Urlaube mit dem Rad machen. Längere Ausfahrten endeten allerdings in der Regel so, dass ich verschwitzt und fertig war und der Liebste latent gelangweilt - wir radeln einfach unterschiedlich schnell. Das Problem schien wie gemacht dafür, durch ein E-Bike gelöst zu werden.

Richtig gern gefahren bin ich nie mit dem Panzer. Ihn zu erklimmen fühlte sich immer ein bisschen an wie eine Bergbesteigung. Und mit 30 Kilo Gewicht ist er ungefähr so manövrierfähig wie, nun ja - wie ein Panzer eben. Allein die Anstrengung, die es braucht, um das Ding in Schwung zu bekommen, bis der Motor anspringt, womöglich noch mit Gepäcktaschen! Auf freier Strecke war alles bestens, aber schon der Gedanke an Stop-and-Go im Stadtverkehr oder gar Anfahren am Berg löste Unwohlsein aus. Und wer schon mal versucht hat, weiß, ein 30-Kilo-E-Bike im ICE in eine Fahrradaufhängung reinzuhängen, weiß: Das ist nicht vergnügungssteuerpflichtig. 

Ich hatte also ein teures E-Bike, auf dem ich mich nicht wohlfühlte, war frustriert und fühlte mich irgendwie wie eine Versagerin: nicht mal in der Lage, ein passendes E-Bike zu kaufen. Dieser Zustand hielt etwa zweieinhalb Jahre an, in der Zeit stand das Rad die meiste Zeit im Keller, denn damit zu fahren, kostete mich jedes Mal Überwindung. Dann äußerte der Liebste die rettende Idee: Ich könnte den Panzer verkaufen und mir ein anderes Rad kaufen.

Ich brauchte ein bisschen, um mich für die Idee zu erwärmen - schon wieder so viel Geld ausgeben? Dann recherchierte ich wochenlang, wollte den selben Fehler nicht noch mal machen. Als ich schließlich fündig wurde und online ein passendes Modell fand, war ich fürchterlich nervös. Wirklich kaufen, ohne Probefahrt? Würde das diesmal passen? 

Was soll ich sagen: Es passte! Ich liebe meinen kleinen, blauen Renner. Er ist wendig, seine Größe passt genau zu meiner, und der Motor liefert zwar nicht ganz dieselbe Power wie der des alten Bikes, aber er muss ja auch nur 21 Kilo Gewicht bewegen.

Ich habe nun noch ein Jahr gebraucht, um in die Gänge zu kommen und den Panzer loszuwerden. Denn dafür musste ich mich komplizierten Fragen beschäftigen, vor allem der, wie viel Geld er wohl noch einbringen würde. Wie viel Verlust musste ich wirklich abschreiben? 

Vor ein paar Wochen habe ich mir einen Ruck gegeben, habe den Panzer geputzt, fotografiert und für 1400 Euro bei Kleinanzeigen reingestellt. Es folgte das übliche Hickhack mit Leuten, die erst Interesse  haben und dann doch nicht, mit Leuten, die erst 1000 Euro bieten und dann, wenn man ihnen schreibt, dass das nicht reicht, 850, mit Leuten, die weder hallo noch tschüs sagen, aber einen mit Nachrichten zuballern. 

Ich hatte schon fast aufgegeben, da meldete sich diese Woche ein freundlicher Rentner aus Quickborn. Er bot 1200 Euro an, kam heute Morgen vorbei, verhandelte nicht nach, gab mir das Geld in bar und nahm den Panzer mit. Es kann so einfach sein.

Samstag, 25. April 2026

Die Stiefel der Schande

Seit mindestens einem Jahr suche ich online immer mal wieder nach grauen Stiefeletten. Absätze zu hoch, nicht meine Größe, komische Bommeln, affige Schnallen, zu warm gefüttert, zu sehr Cowboy -irgendwas war immer. 

Doch dann klickte ich Ende März mal wieder im Internet herum, und da waren sie plötzlich, in einem Shop namens Fjorden Mode Berlin: genau die grauen Stiefeletten, von denen ich immer geträumt hatte. Für gerade mal 59 Euro, im Final Sale. 

Von Fjorden Mode hatte ich noch nie gehört, trotzdem überlegte ich nicht lange und bestellte. Gleich danach kam eine nette Mail; die Absenderin, sie hatte nur einen Vornamen, teilte mir mit, dass es ein paar Tage dauern werde, bis meine Bestellung bei mir sei. Als die Stiefeletten zehn Tage später immer noch nicht da waren, klickte ich auf den Trackinglink in der Bestellbestätigung. Und stellte fest: Die Sachen kommen per JunExpress - das klingt chinesisch und ist es auch. 

Denn: Fjorden Mode Berlin, dieser Shop, der die deutsche Hauptstadt im Namen trägt und auf dessen Website in dicken Lettern "Ihr Mode-Hotspot in Deutschland" steht, dieser Shop sitzt in Hongkong. Das steht sogar auf deren Website, natürlich ganz klein und ganz unten, aber ich hätte es lesen können, wenn ich nicht blind gewesen wäre vor lauter Stiefeletten-Vorfreude.

Die war nun deutlich getrübt. Und als das Paket endlich da war, war alles genau wie befürchtet. Die Stiefeletten stanken unerträglich nach Chemie, etwas zu groß waren sie mir außerdem. Das T-Shirt, das ich mitbestellt hatte, war aus Synthetikstoff und hatte eine entschieden seltsame Passform. Ich hatte mir billigen, stinkenden Chinaschrott bestellt. Die Rücksendung nach Hongkong hätte ich selbst bezahlen müssen. Pakete bis fünf Kilo kosten bei DHL 45,99 Euro Versandgebühr. 

Wenn ich nicht so blind gewesen wäre vor lauter Stiefeletten-Vorfreude, hätte ich die Wahrheit über Fjorden Mode vor der Bestellung schnell herausfinden können. Bei Trustpilot hatte der Shop zum Zeitpunkt meiner Bestellung die sagenhafte Bewertung von 2,0. Außerdem sind online mehrere Artikel, unter anderem dieser von der Tagesschau, über Fjorden Mode und andere betrügerische Shops zu finden. 

Ich kam mir ziemlich dämlich vor, war aber noch nicht ganz bereit aufzugeben. Ich stellte die Stiefeletten ein paar Tage auf dem Balkon, in der Hoffnung, dass der Geruch verfliegt. Dann trug ich sie einen Tag im Büro. Sie waren nicht besonders bequem, viel schlimmer aber war der Gestank. Ich bekam Kopfschmerzen davon; in meinem Büro hielt ich es nur aus, wenn ich das Fenster öffnete. 

Eine Kollegin bewunderte die Stiefeletten zuerst. Als ich ihr die ganze Tragödie erzählte, sagte sie: Stimmt, jetzt rieche ich es auch. Sie verwies auf Chrom VI, einen Stoff, der zum Gerben von Leder verwendet wird und der ein starkes Kontaktallergen ist. Prompt fingen meine Beine an zu jucken. Psychosomatisch? Vielleicht. 

An diesem Tag ging ich früher nach Hause. Ich schleuderte die Stinkedinger von den Füßen und rubbelte meine Beine ab. Ich dachte kurz darüber nach, die Stiefeletten über Vinted zu verhökern. Aber das käme mir unredlich vor. Die 59 Euro sind Lehrgeld, und die Stiefel der Schande gehen dahin, wo Chinaschrott hingehört: in die Mülltonne.

Fjorden Mode kann man über die Google-Suche übrigens noch auffinden. Wer auf das Suchergebnis klickt, landet aber auf Leon Boutique Berlin. Die Firma, die dahintersteckt, ist dieselbe wie bei Fjorden Mode. Sie sitzt, na klar: in Hongkong.

Dienstag, 7. April 2026

Fahrradnavi from Hell

Ursprünglich hatte ich mir das Fahrradnavi, ein Garmin Oregon 750 mit Farbdisplay, zum Geocachen gekauft. Mit der Bedienung war ich von Anfang an nicht zufrieden. Außerdem habe ich erst später verstanden, dass bei dem Gerät keine Karten dabei waren. Ich musste zusätzlich zu dem hohen Anschaffungspreis – fast 500 Euro – noch mal, glaube ich, über 100 Euro ausgeben, um eine vernünftige Karte zum Navigieren zu haben. Das fand ich schon sehr ärgerlich. Aber ich habe in dem Moment lieber noch mal etwas nachinvestiert, als mir einzugestehen, dass das Gerät vielleicht nicht so gut war oder nicht das Richtige für mich.

2019 haben Angie und ich einen Fahrradurlaub gemacht, mit dem Rad durch die Lüneburger Heide und über den Weserradweg bis nach Wesel. Das Fahrradnavi war mit im Gepäck, die Navigationsfunktion habe ich damals aber nur selten genutzt – ich hatte das Gerät nur als elektronische Landkarte mit eingeblendeter Route dabei. Das hat gut funktioniert. Ich konnte die Routen vorher auf eine extra SD-Karte (nächster Zusatzinvest!) laden und dann dem farbig auf der Landkarte hinterlegen Weg folgen. Die benötigten GPX-Dateien für die Radwege, die wir gefahren sind, waren im Internet zu finden.

2021 waren wir dann mit dem Rad in Belgien unterwegs, von Brüssel nach Brügge. Dort gingen die Probleme los. Ich kann mich noch sehr gut an eine verregnete 70-Kilometer-Tour nach Gent erinnern. Irgendwann hatten wir keine Lust mehr, durch den Regen zu fahren. Die reguläre Strecke hätte uns sehr weit um Gent herumgeführt, damit man nicht so viel mit dem Fahrrad durch die Stadt musste. Wir entschieden, die Route zu verlassen und auf direktem Weg selber zum Hotel zu navigieren. Das Foto ist entstanden, als wir endlich angekommen sind.

Es stellte sich schnell heraus, dass das ein echt dumme Idee gewesen war. Es regnete in Strömen, und in Gent gab nicht wie im Rest von Belgien schöne Radwege, stattdessen nur Straßen mit vielen Autos und erstaunlich vielen Straßenbahnschienen. Und zu allem Überfluss fing der Akku des Navi an, besorgniserregende Ladestände anzuzeigen. Irgendwann ging das Gerät komplett aus. Mit einer Hand am Lenker und dem Handy mit Google Maps in der anderen kamen wir zwar irgendwie ans Ziel. Aber danach war klar: Der Akku hält keine Tagestour mehr aus.
Das Foto ist entstanden, als wir endlich angekommen waren.
2023 habe ich noch versucht, das Gerät zu retten, und einen neuen Akku gekauft. Damals war das Navi schon so alt, dass es den Ersatzakku nur auf dem Zweitmarkt gab, nicht mehr als offizielles Ersatzteil. Die Probleme löste der neue Akku nicht.
Danach lag das Fahrradnavi lange im Schrank, irgendwie war ich nicht bereit, es wegzuwerfen. Letztes Jahr habe ich wieder angefangen, mehr Fahrrad zu fahren, und wollte auch Strecken von Komoot nutzen (was mit der Handy-App jedes Mal den Handyakku leer saugt). Also habe ich mir ein neues Fahrradnavi gekauft, tatsächlich wieder ein Garmin, diesmal das Edge 1040.

Und was soll ich sagen: Die Dinger haben sich sehr positiv weiterentwickelt! Man kann Komoot-Tracks laden, externe Sensoren anbinden, zum Beispiel für Geschwindigkeit oder Trittfrequenz, oder – ganz neu für mich – die getretene Leistung messen. Insgesamt bin ich sehr zufrieden damit und benutze es sehr gern. Letztes Jahr haben wir damit auch schon die erste Mehrtagestour absolviert, auf der Flamingoroute durch das Münsterland und die Niederlande.

Das alte Fahrradnavi kann damit weg und in den Elektroschrott.

Sonntag, 29. März 2026

Mein Auftritt als wandelnde Aldi-Litfaßsäule

Da sind wir wieder! Wir waren auf einem "trip down memory lane" – in Costa Rica, wo wir uns vor zwölf Jahren kennen gelernt haben. Und dachten uns, man muss hier im Blog ja nicht breittreten, dass unsere Wohnung drei Wochen leersteht ... 

Schön war's jedenfalls. Aber danach brauchten wir erst mal etwas Zeit, um unseren Alltag auf die Reihe zu kriegen und wieder in den #daskannweg-Flow zu kommen.

Wie vor jeder Reise haben wir auch im Februar unsere Reisekiste aus dem Keller geholt: einen Karton voll mit Zeug, das man nur im Urlaub braucht. Und weil der Karton eine wahre #daskannweg-Schatzkiste war, haben wir vor Costa Rica noch schnell ein Reisespecial gemacht – #10dinge mit Reisebezug konnten weg. Darunter eine schon bedrohlich aufgeblähte Powerbank, ein Reiseadapter mit derart verbogenen Steckern, dass er sich der nur noch mit Gewalt in eine Steckdose stecken ließ, ein ziemlich peinlicher Fischerhut und Outdoorhandtuch Nummer fünf (Vermehren die sich eigentlich im dunklen Keller? Diese Frage bleibt wohl auf ewig unbeantwortet).

Eine andere Art von #daskannweg-Tradition pflege ich beim Kofferpacken: Ich lege immer viel zu viele Dinge in eine Klappkiste – alles, wovon ich denke: Das könnte man vielleicht mitnehmen. Vorm Einpacken wird dann wieder ausgepackt. So lange, bis ich die Menge an Gepäck für akzeptabel halte.

In einer der Auspackrunden musste diesmal mein Regencape dran glauben: zu knallgelb zum Tiere-Beobachten, und vor allem: zu großes Packmaß. So ein robustes Cape braucht man vielleicht fürs Hamburger Regenradeln, aber doch sicher nicht in den Tropen, in der Trockenzeit. Als wir 2014, ebenfalls im Februar, in Costa Rica gewesen waren, hatte es schließlich kein bisschen geregnet. 

Kurz vorm Zuklappen warf ich dann doch noch ein transparentblaues Einweg-Regencape in den Koffer, das ich ganz unten in der Reisekiste gefunden hatte – immerhin war es klein und leicht. Wo war das noch mal hergekommen? Keine Ahnung. Egal.

Selten habe ich mit einer Packentscheidung so danebengelegen. Denn diesmal regnete es in Costa Rica. Heftig. Anfangs dachten wir noch: besser ein kurzer Platzregen als den ganzen Tag Getröpfel. Doch dann drehte der Regen noch mal richtig auf – und dachte nicht dran aufzuhören. Es war höchste Zeit, das transparentblaue Einweg-Cape auszupacken.

Als ich es entfaltete, traute ich meinen Augen kaum. Auf der Brust prangten unter anderem ein Einkaufswagen, eine Gitarre, die Aufschrift "Dein Support Act" – und ein Aldi-Logo. Und dann fiel es mir wieder ein: Diese Capes hatte Aldi auf dem Deichbrand-Festival verteilt.

Das Aldi-Cape kam ausgiebig zum Einsatz. Denn es regnete, mit einigen Unterbrechungen, vier Tage lang. Ich schämte mich, als wandelnde Aldi-Litfaßsäule rumzurennen, aber immerhin hielt mich die dünne Plastikhaut notdürftig trocken. Zwischendurch rieb ich das Cape notdürftig ab, drehte es auf links und damit den Aufdruck nach innen.

Das Cape ist in Costa Rica geblieben. Es hat seinen Job erledigt. 

Aber irgendetwas sagt mir, dass die Geschichte der Reisekiste noch nicht zu Ende erzählt ist. Da wären beispielsweise die nagelneuen Schnorchelflossen, angeschafft nach einem atemberaubenden Schnorchelerlebnis auf Galapagos 2023. Sie hatten diesmal nicht in den Koffer geschafft, weil sie ziemlich sperrig sind und man auf Schnorchelausflügen meist kostenlos oder für kleines Geld Flossen leihen kann. Ob wir sie jemals benutzen werden? Fraglich. Aber momentan bringe ich es noch nicht übers Herz, sie auszusortieren – schließlich müsste ich mir dafür eingestehen, dass die Dinger ein Fehlkauf waren.

Was außer dem Regencape diese Woche weg konnte, erfahrt ihr hier:

Dienstag, 10. Februar 2026

Die Tasse aus der Vergangenheit

Als ich im September 2024 die BASF verließ, dachte ich darüber nach, dass ich eigentlich meinen ersten tollen LinkedIn-Post machen und das übliche Blabla schreiben müsste: wie schön es gewesen war, aber dass jetzt neue Herausforderungen warten und so weiter. Ihr kennt sie bestimmt alle.

Tatsächlich war der letzte Tag vollgepackt. Ich hatte Lieblingskuchen vom Café Blum organisiert (bester Kuchen in Mannheim), um meinen direkten Kollegen morgens in der Teamrunde eine letzte Freude zu machen. Und nachmittags viele liebe Kollegen, die ich in 18 Jahren Betriebszugehörigkeit kennen gelernt hatte, eingeladen, vorbeizuschauen und mit mir Kuchen zu essen. Ich war überwältigt, wie viele gekommen waren. Und dann war der Tag auch schon vorbei – es blieb ein Foto vom Einwerfen des Werksausweises, und das war's. Den LinkedIn-Post habe ich nie geschrieben. Um so seltsamer, jetzt noch mal über diesen Tag zu schreiben, nachdem ich über ein Jahr weg bin.

Die Tasse hatte ich irgendwann am Anfang meiner BASF-Zeit gekauft. Es gab sie im Zweierset, ich habe keine Ahnung, wo die andere hingekommen ist. Das Logo der BASF hat sich inzwischen geändert und auch meine Einstellung zu der Firma.

Und noch etwas ist anders: Damals, als ich die Tasse kaufte, war ich stolzer Mitarbeiter eines Dax-Konzerns, der auch zu Hause seine Zugehörigkeit zeigen wollte. Heute bin ich wieder stolzer Mitarbeiter, muss das aber in der Freizeit nicht ständig nach außen tragen. Mal im Firmenshirt laufen gehen ist okay, mehr muss nicht sein. 

Wir haben genug Tassen, und ich brauche keine Erinnerung an meine Arbeit, wenn ich am Wochenende gemütlich Kaffee trinken möchte, schon gar nicht an meinen Ex-Arbeitgeber. Also wanderte die Tasse nach dem Umzug nach Hamburg in den Keller.

Als wir die Küchenkiste aus dem Keller holten, wusste ich gar nicht mehr, was wir darin ausgelagert hatten. Aber als ich die Tasse sah, war mir sofort klar: Die kann weg!

Sonntag, 8. Februar 2026

Keller-Clean-up, Baby!

Alles, was du ein Jahr lang nicht benutzt hast, kann weg – das ist wohl einer der bekanntesten Ratschläge, wenn's ums Ausmisten geht. Höchste Zeit also, mal einen Blick in den Keller zu werfen. Und da stand sie: die Kiste mit den Küchensachen. 


Unsere Küche in Mannheim hatte ein paar Schränke mehr gehabt als die in Hamburg. Als wir Ende 2023 umzogen und unsere Küchenschränke einräumten, bekamen wir einfach nicht alles unter. Und so packten wir einiges in eine Kiste und in den Keller.

Zum Beispiel den Kaffeefilter – er stammt aus der Zeit, in der der Liebste noch eine Kaffeepad-Maschine hatte. Wenn meine Eltern, echte Coffeeholics, zu Besuch kamen, brühten wir damit Kaffee für sie auf. Das Milchaufschäumgefäß ist eine Kaffeegeneration jünger – aus der Vollautomat-Ära, aber vor der Kaffee-nur-schwarz-Ära. Den Spätzlehobel kaufte ich, als ich Foodredakteurin war und über Spätzle aus dem Kühlregal die Nase rümpfte. Die Geschichte der BASF-Tasse erzählt der Liebste selbst. All diese Dinge sind Grüße aus unserer Vergangenheit, die in unserem heutigen Leben keine Bedeutung und keinen Nutzen mehr haben.

Auch die Plastikbecher, die Kühlakkus, die Schraubgläser, die Vorratsgläser und die Flaschen haben etwas gemeinsam: Wir hatten erheblich zu viele davon. 

Überhaupt, Gefäße! Dosen und Gläser für Gewürze, Brot, Vorräte, selbst angesetzte Kräuteröle und mehr. Wann will man all das Zeug, das man darin aufbewahren könnte, kaufen oder herstellen? Wo soll man das alles lagern? Und wer soll das alles essen?

Nichts aus der Kellerkiste haben wir seit Ende 2023 vermisst. Einiges davon ging direkt in den Müll, manches in eine "Zu verschenken"-Kiste. Das Campinggeschirr darf zurück in den Keller, das brauchen wir nicht jeden Tag im Schnellzugriff. 

Und immerhin eine Plastikbox mit Deckel haben wir aus dem Kellerexil befreit und ihr eine neue Bestimmung gegeben: In ihr lagern jetzt diverse Küchenhelfer vom Dosenöffner bis zum Salatbesteck. Irgendwas sagt mir allerdings, dass das noch nicht das Ende unserer Küchendingereise war ...


Dienstag, 3. Februar 2026

Gratis Inbusschlüssel - ein ungewolltes Geschenk

Oh nein, es ist mal wieder #daskannweg-Tag! Schnell mal in die Ablagefächer geguckt, und siehe da: gleich wieder was gefunden.

Ihr habt bestimmt auch welche: Gratis-Inbusschlüssel. Sie liegen Möbeln bei, damit man diese auch ohne eigenes Werkzeug zusammenschrauben kann. Geprägt wurde die Idee durch Ikea, die Selbstaufbau-Möbel salonfähig gemacht haben. Sie legen immer ihren S-förmigen Inbusschlüssel bei und haben damit einen Standard etabliert.

Wenn ich ein Möbel aufgebaut habe und neben der Verpackung so ein Inbusschlüssel rumliegt, denke ich jedes Mal: "Oh nein, den kann ich nicht wegschmeißen. Das ist wertvolles Metall, und auch die Herstellung hat Energie gekostet." Also lege ich ihn in meine Schublade, zum Wegwerfen ist er mir zu schade. 

Aber wenn es dann mal was zum Schrauben gibt, hole ich nicht die billigen Inbusschlüssel aus der Schublade. Ich versuche auch nicht rauszufinden, ob einer von ihnen zur aktuellen Aufgabe passt. Denn ich habe ja eigenes Werkzeug, das viel höherwertiger ist. Wenn ich was zusammenschrauben muss, nutze ich das gern.

Somit liegen die Inbusschlüssel ungenutzt über Jahre herum. Mindestens zwölf Stück hatte ich zusammengetragen, die ich alle nie mehr benutzen werde. Über die verschwendeten Ressourcen und auch die zusätzlichen Kosten denken die Hersteller anscheinend nicht nach.

Andere Leute machen aus ihren Ikea-Werkzeugen sogar Kunst. Aber ein Bild aus Imbussschlüsseln brauche ich nicht, und eine andere sinnvolle Verwendung habe ich für sie leider nicht gefunden. Daher werden meine Inbusschlüssel entsorgt.

Und sonst so? Das hier:

Sonntag, 1. Februar 2026

Na dann prost!

Die Flaschen, die ihr auf diesem Bild seht, sind grob geschätzt 36 Jahre alt, zusammengerechnet. Wobei sich nicht mehr genau rekonstruieren lässt, wann der Wodka und der Pitú in unseren Besitz gelangt sind. Ich meine mich aber zu erinnern, dass ich sie schon hatte, bevor ich 2016 von Hamburg nach Mannheim gezogen bin. Der Wodka und der Pitú sind also schon ganz schön rumgekommen in ihrem Leben.


Dass ich nicht dazu neige, mir im Alltag ständig Cocktails zu mixen, ist keine neue Erkenntnis: Schon 2014 trennte ich mich hier auf diesem Blog von Cocktailgläsern. Und doch, früher war mehr Mixen. Zumindest gelegentlich bot ich bei Partys ein Getränk namens Watermelon Crush an, bestehend aus Wassermelone, Orangensaft und Wodka, man hob die Gläser auf den "Dude" und trank White Russian oder stampfte Limetten und Rohrzucker für Caipirinha

Heute sind große Partys die Ausnahme, und selbst wenn mal jemand etwas zu feiern hat, fragen die Leute nach alkoholfreiem Bier oder verabschieden sich um zehn, weil sie am nächsten Morgen früh raus müssen. Ganz klar: Wir sind älter geworden. Und ist ja auch gesünder, nicht so viel zu trinken.

"Wer regelmäßig Alkohol trinkt, hat ein sehr viel höheres Risiko für bestimmte Krankheiten wie eine Magenschleimhautentzündung, Bluthochdruck oder eine verfettete Leber", sagt der Internist Helmut Seitz in einem Interview mit dem SPIEGEL, und weiter: "Das Organ, das am empfindlichsten auf Alkohol reagiert, ist die weibliche Brustdrüse. Das wissen die wenigsten. Bei Frauen steigt daher das Risiko für Brustkrebs." Will man alles nicht haben.

Als der Liebste nach einem feuchtfröhlichen Konzertbesuch im Oktober die schon fast obligatorischen Worte "Nie wieder Alkohol!" aussprach, dachte ich nicht, dass er es ernst meinen würde. Und doch, seitdem hat er nichts mehr angerührt, hat Weihnachtsmärkte, Weihnachten, Silvester mit Apfelpunsch und 0,0-Sekt hinter sich gebracht. Das hat uns eine neue Welt eröffnet, die Welt der alkoholfreien Biere, Weine und Sekte, und da geht erstaunlich viel. Das Zeug schmeckt, macht keinen Kater, und weniger Kalorien hat es auch.

Sich das Schrankfach mit den Spirituosen vorzunehmen, war also überfällig. Das Foto von den fünf Flaschen stellte ich bei Nebenan.de rein - zu verschenken. Noch am selben Tag kam eine Svenja vorbei, wahrscheinlich in den 50ern, im Gepäck eine Tüte mit Badekristallen, selbst gemachter Erdbeermarmelade und einen Piccolo Sekt. Den Alkohol wollte sie mitbringen zur Party einer Freundin, sie freute sich sehr, genau wie ich. Die ganze Transaktion war ebenso nett wie unkompliziert, und ich hoffe, dass Svenjas Freundin einen fantastischen Abend mit ihren Gästen hatte.

Nicht im Bild ist der Rum, den wir im vorigen Jahr aus Sri Lanka mitgebracht haben. An unserem Abschiedsabend mit Rainer von Birdingtours tranken wir Rum mit ihm. Wir saßen unter den Sternen, die Wellen brachen sich vor uns am Strand, der Rum schmeckte rund, vanillig, mild. Es hätte schöner nicht sein können.

Anschließend verbrachten wir noch ein paar Tage in einem Boutiquehotel ein paar Kilometer weiter: "Bombay Bicycle Club", gerade mal sechs Zimmer, offenes Restaurant mit Dach aus Palmenbättern, einer dieser Orte, die Stress und Sorgen instant wegbeamen, und übrig bleiben nur noch Sonne, Meer und Tiefenentspannung. 

Und weil der Abschiedsrum mit Rainer so gut gewesen war, fragten wir auch dort danach. Sie hatten keinen Rum - aber wenn wir ihm Geld gäben, sagte der Mann, könne er den Küchenchef zum Einkaufen schicken, er werde dann gern welchen besorgen. Urlaubsselig nahmen wir das Angebot an.

Womit wir nicht gerechnet hatten: Der Küchenchef brachte uns eine ganze Flasche Rum mit, einen halben Liter, zum Ladenpreis. Und weil wir so viel Rum nicht austrinken wollten, füllten wir den Rest in eine Halbliter-Plastikwasserflasche. Ich dachte schon damals kurz darüber nach, ob das wohl eine geniale Idee war und ob der Alkohol wohl das Plastik angreift. Die Flasche wanderte in den Schrank, zum Pitú, Kahlua und all den anderen ungetrunkenen Spirituosen. Was soll ich sagen: Wir haben ihn nicht mehr angerührt. 

Die sechs Flaschen sind insgesamt mehr als 11.300 Kilometer mit uns gereist. Nun endet ihre Reise.

Alles andere, was diese Woche weg konnte, hatte keine spannende Geschichte zu erzählen. Es war einfach altes, schäbiges Zeug, das endlich in den Müll gewandert ist:



Montag, 26. Januar 2026

Das zweite Leben einer alten Telefonzelle

Übers Bücher-Entsorgen habe ich ganz sicher schon mal geschrieben – auch wenn ich den Post gerade nicht mehr wiederfinde. All die klugen Gedanken anderer Leute einfach ins Altpapier werfen? Das kommt mir irgendwie falsch vor. 

Die Rettung nahte in Form einer alten Telefonzelle. Telefonzellen konnten weg, als Handys aufkamen. Umso schöner, dass diese nun als "Kleine Bibliothek" ein zweites Leben lebt, zehn Minuten von unserer Wohnung entfernt. 

Diese Woche trug ich eine Tasche voll alter Ratgeberbücher zu Karrierethemen dorthin. Ich mag den Gedanken, dass die Bücher, die bei mir im Regal standen, nun noch eine Chance haben, gelesen zu werden. 


Was haltet ihr von öffentlichen Bücherschränken? Bringt ihr manchmal Bücher hin oder holt euch dort neuen Lesestoff? 

Die Bücher waren natürlich nicht das einzige, was diese Woche weg konnte:



Sonntag, 25. Januar 2026

Ein Sturz ohne Folgen - bis jetzt

Im Dezember 2018 waren wir in Kambodscha. Es war ein schöner Urlaub, wir hatten schon Angkor Wat und eine Menge Tempel gesehen. Es war Zeit, das Hotel zu wechseln. Bisher war das Wetter uns hold gewesen, aber heute sollte es einen ordentlichen Regenguss geben. 

Unser Zimmer lag im ersten Stock und hatte eine steile Treppen mit Terracottafliesen. Und auf dieser Treppe hatte sich ordentlich der Regen gesammelt. Ich wollte unser Gepäck runterbringen, damit es pünktlich am Abholort für den Transfer steht. Leider war die Kombination aus Vans-Schuhen ohne Profil und aufschwimmendem Wasser auf steiler Treppe sehr rutschig – und so kam es, wie es kommen musste: Ich rutschte schon oben an der Treppe aus und stürzte herunter (glücklicherweise auf dem Hintern). 

Erster Gedanke: "Steißbein gebrochen." Zweiter Gedanke, beziehungsweise Feststellung: "Meine schöne, grüne North-Face-Jacke hat einen Riss am Ärmel." Aber nur einen kleinen.

Ich habe diese Jacke sehr gemocht. Sie hat eine schöne Farbe (zweimal grün), und ich fand immer, dass sie mir gut steht. In Kambodscha hatte sie anscheinend nicht so viele Einsätze, außer an dem einen Tag, an dem es geregnet hat. Es gibt kein Urlaubsfoto, auf dem ich sie trage. Daher hier nun ein Foto aus unserem Peru-Urlaub:


Der Riss war immer so klein, dass ich dachte: "Den sieht doch keiner." Aber unangenehm war es mir schon, dass die Jacke einen Riss hat, und ich versuchte immer, das zu kaschieren. 

Der neue "das kann weg"-Anlauf hat mir jetzt bewusst gemacht: Die Jacke hat mir zehn Jahre gute Dienste geleistet, sie ist durch dem Riss seit Jahren nicht mehr 100-prozentig regendicht (Hauptfeature einer Outdoorjacke?!), und ich will nicht mit einer zerrissenen Jacke rumlaufen.

Daher kann sie – so leid es mir tut – weg.

Und sonst so? Das hier:
  

Dienstag, 20. Januar 2026

Handstaubsaugerliebe und -leid

Handstaubsauger gehören zu der Sorte Besitztümer, die ich 2014, zum Start des Blogs, vermutlich  energisch für überflüssig erklärt hätte. Inzwischen, deutlich über 40, bin ich nicht nur älter, sondern auch weiser. Ich weiß, dass sich Krümel gern unter dem Esstisch sammeln und dass es nicht schadet, ab und an mal das Sofa abzusaugen oder im Winter, wenn man Splittsteine unter den Schuhen hatte, die Fußmatte.

Also entschied ich im Sommer 2024: Ein Handstaubsauger muss her! Nicht zuletzt übrigens wegen der Loblieder, die Nicole (die hier auch mal vertretungsweise gebloggt hat - Tag 57 bis Tag 73) auf ihren gesungen hat. Und so begann es: the Song of Handstaubsaugerliebe und -leid. 

Nach intensiver Amazon-Recherche entschied ich mich für ein Modell der Marke Kitbezn. Von der hatte ich vorher zwar noch nie gehört, aber der Sauger war weder allzu billig noch allzu teuer - und hey: Die Bewertungen waren ziemlich begeistert!

Das Leid begann sofort, nachdem der Sauger, nennen wir ihn Kitty, bei uns eingezogen war. Der Liebste hasste, hasste, HASSTE ihn von der ersten Sekunde an, mit einer Inbrunst, die mich kalt erwischte. Er warf mir vor, "billigen Chinascheiß" gekauft zu haben - was ich energisch zurückwies (siehe oben). Er beklagte sich, dass ich Kitty ohne ihn ausgesucht hatte (fair, ich hatte sein Interesse an Handstaubsaugern offensichtlich unterschätzt). Und: Er fand Kitty laut. Jedes Mal, wenn ich etwas wegsaugte, durfte ich mir anhören, dass ein Modell von Bosch, Shark oder Rowenta ganz sicher nicht so einen Höllenlärm gemacht hätte.

Ich ging dazu über, nur noch dann zu handstaubsaugen, wenn der Liebste nicht zu Hause war. Das änderte allerdings nichts an einer beklagenswerten Tatsache: Der Liebste hatte recht.

Kittys Dröhnen, von Beginn an unangenehm, nahm nach einigen Monaten weiter zu. Im Herbst 2025 steigerte es sich zu einem ohrenbetäubendem Pfeifen, so unangenehm, dass ich den Betrieb beinahe gänzlich einstellte.

Ich war beinah erleichtert, als der Höllenlärm olfaktorische Begleitung bekam: Kitty begann, entschieden verbrannt zu riechen - eine Tatsache, die sein Schicksal besiegelte. Er fand sein Ende im Kleinelektrogeräte-Container.

Im Nachhinein war Kitty ganz klar ein Fehlkauf. Einer, an dem ich nur deswegen so lange festhielt, weil ich nicht zugeben wollte, dass der Liebste von Anfang an recht gehabt hatte.

Vorige Woche dann Kittys letzter Gruß aus der Gruft: Beim Herumkramen fiel mir sein Ladekabel in die Hände; es hatte sich ganz hinten in einer Schublade zusammengekringelt. Das konnte nun auch weg.

Inzwischen ist übrigens Kittys Nachfolger bei uns eingezogen. Der Neue, ausgesucht vom Liebsten höchstpersönlich, heißt Severin, saugt ohne Ohrenbetäubung und wird von beiden Mitgliedern des Haushalts gern und oft benutzt. So einfach kann Handstaubsaugerliebe sein.

Und sonst so? Das hier:

Samstag, 17. Januar 2026

Die Lego-Bauanleitungen funkeln nicht

Ich liebe Lego! Vor Corona habe ich irgendwann den Youtube-Kanal vom Held der Steine entdeckt und war baff. Da sitzt ein erwachsener Mann und bespricht Lego und wird dafür NICHT ausgelacht. Nein, es ist ganz normal. Er macht das sehr lustig und hat eine Menge Follower (heute 1,15 Millionen). Inzwischen übt er auch viel Kritik an der Preispolitik und der Gestaltung der modernen Lego-Modelle. 

Das war für mich ein wirklich verändernder Moment. Als Kind habe ich IMMER mit Lego gespielt, aber für Lego Star Wars war ich leider schon zu alt gewesen. Ich habe mal ein Set gekauft, als die Serie 1999  neu erschienen ist, aber es bei einem Umzug weggeworfen. 

Also begann ich meiner Leidenschaft nachzugehen und kaufte das eine oder andere Set. Wichtig waren mir vor allem die mit den schönsten Minifiguren. Mit Corona eskalierte das Thema etwas und mit dem Umzug nach Hamburg noch weiter. Ich habe mit Angie den Deal, dass meine Sammlung zwei Regale nicht überschreitet, und den will ich auch einhalten.

Es gibt sogar einen Namen für Leute wie mich: AFOL – Adult Fan of Lego. Die machen inzwischen einen großen Teil des Umsatzes von Lego aus; das sieht man auch an den immer teureren Sets. Bei Lego (auch wenn es die Wohnung vollsteht) würde ich immer sagen: „Does it sparkle? Does it bring joy? YES, it does!“ Ich liebe vor allem die Figuren mit den Accessoires und viele der Modelle und habe sie schön ausgestellt. 

ABER leider hat das Hobby auch ein paar negative Seiten. Jedes Set kommt natürlich in einem Pappkarton und mit einer (oder auch mehreren) Bauanleitungen. Die Anleitungen wollte ich natürlich erst mal aufbewahren. Man hat Geld dafür bezahlt und vielleicht braucht man sie noch mal. 

Ich habe irgendwann gelernt, dass die Bauanleitungen und Pappkartons teilweise zu erstaunlichen Preisen auf Plattformen wie BrickLink gebraucht verkauft werden. Das war für mich immer ein Grund für mich, diese aufzubewahren. Vielleicht verkaufe ich sie ja mal für ein paar Euros. Daher hatte ich sie in drei Stehsammlern, die den Schrank gut gefüllt haben. Allerdings kamen auch immer mehr dazu, so dass sie auch teilweise gar nicht mehr reingepasst haben und auch darüber und daneben lose im Regal rumgeflogen sind. 

Vor einiger Zeit habe ich mich mal zum Spaß als Verkäufer bei BrickLink angemeldet. Aber der Aufwand ist immens. Wenn man wirklich etwas verkaufen will, braucht man Steuernummer, AGB, Haftungsausschluss und Lieferoptionen. Das hat mich dann doch ganz schön abgeschreckt. So viel Aufwand für ein paar Euro, und dann vielleicht noch rechtliche Fragestellungen und sich mit unzufriedenen Leuten herumärgern. Ich wollte doch nur ein bisschen mehr Platz im Regal! 

Daher bin ich nun doch die Abkürzung gegangen: Ich werfe die Dinger ins Altpapier. Die Anleitungen liste ich diese Woche auf, die Pappkartons (Spoiler Alert!) nächste Woche. 


Die Bauanleitungen gibt es übrigens schon seit vielen Jahren bei Lego online zum Download – und das gratis, sogar von Sets, die man nicht gekauft hat. Aufbewahren braucht die Papieranleitungen daher wirklich niemand mehr.

Und sonst so? Das hier:


Samstag, 10. Januar 2026

Tschüss, Zeitfresser!

Der Liebste steht morgens um 6 Uhr auf und geht zur Arbeit. Ich könnte entspannt weiterschlafen, nur ist es leider so: Wenn ich morgens aufwache, bin ich wach. Ich bin lausig darin, noch mal einzuschlafen. Also stehe ich auf - drei Stunden, bevor ich üblicherweise im Büro bin. 

Ich könnte auch früher ins Büro gehen. Ich weiß allerdings genau: Nur weil ich früher hingehe, gehe ich nicht früher heim. In der Redaktion kommen gern ab 17 Uhr Leute aus den Ecken gekrochen und wollen was von mir. Denn wenn die Meetings um sind, haben die vielbeschäftigten Leute Zeit zu reden; das will ich nicht verpassen. Regelmäßig sind auch noch Dinge zu tun, die nicht bis zum nächsten Morgen warten können. 

Also bleibe ich morgens lieber länger zu Hause, sitze rum mit einer Tasse Tee, lese Nachrichten oder gucke vor mich hin, schreibe Nachrichten an liebe Freundinnen, überweise fällige Rechnungen oder lege Wäsche zusammen. In stressigen Arbeitswochen kurz vor Abgabe gucke ich in meine diversen Postfächer und checke, ob irgendwas brennt (ehrlich gesagt mache ich das nicht nur dann, aber das ist eine andere Geschichte). 

Oft genug ist danach aber immer noch Zeit. Ich würde gern behaupten, dass ich dann etwas Sinnvolles tue. Sonnengrüße mache oder kluge Bücher lese. Die Wahrheit ist: Oft verdaddel ich diese Zeit mit Quatsch. So kam ich an "Cozy Grove: Camp Spirit". Das ist eins von diesen Spielen, die man ohne Zusatzkosten auf seinem iPad installieren kann, wenn man Netflix-Abo hat. Ich bemühe mal die App-Store-Beschreibung: "In dieser entspannenden Fortsetzung der beliebten Lebenssimulation, in der Herzlichkeit großgeschrieben wird, viele neue Dinge hergestellt und gebaut werden können und neue Inselabenteuer auf dich warten, hilfst du niedlichen Bärengeistern, Frieden zu finden."

Das Spiel hat eine halbwegs niedliche Grafik und eine halbwegs niedliche Story. Für eine Weile hat es mir erstaunlich viel Spaß gemacht - wahrscheinlich, weil man dabei wunderbar sein Gehirn ausschalten kann. Der Geisterbär hat seine Aufzeichnungen verloren, die Katze will Pilzpfanne fressen, um die zu kochen, brauche ich Salat, eine komische Hasenessenz und natürlich Pilze, die Pilze muss ich vorher rösten, und so weiter, und so weiter, und so weiter. Rumrennen, Sachen sammeln, zusammenbasteln. Intellektuelle Herausforderung? Null.


Die meisten Aufträge müssen am selben Tag abgeschlossen werden. Sind die erledigt, gibt es nicht so richtig was zu tun. Und am nächsten Tag geht es wieder von vorne los, die Katze will nun vielleicht ein Glas Sauerkraut, und der Geisterbär hat schon wieder seine Aufzeichnungen verloren. Spannender wird's nicht.

Scheitern ist unmöglich. Und auch wenn das in einer Welt voller komplexer Probleme eine angenehme Abwechslung ist: Das Spiel ist eine To-do-Liste, die sich jeden Tag aufs Neue füllt. Mit Aufgaben, die mich keinem einzigen bedeutungsvollen Ziel näherbringen. Ein elender Zeitfresser. Ich hab's deinstalliert.

Und sonst so? Das hier:

Mittwoch, 10. August 2016

Rahmen-Dramen

Wer eine neue Wohnung einrichten muss, weiß: Das Schwierigste ist die Wanddekoration. Das wenigstens ist meine Meinung dazu. Und als ob das alles nicht schon schwer genug wäre, hat das Problem auch noch zwei Facetten:

  1. Welchen Rahmen?
  2. Was rein in den Rahmen?
Was die Rahmen anging: Da hatte ich noch ein paar. Hatte ich mal bei Ikea gekauft. Vier braune Rahmen. Eigentlich wollte ich damals schwarze kaufen, aber die gab's nicht, also braune. Die Passepartouts waren inzwischen etwas vergilbt. Braune Rahmen mit vergilbten Passepartouts, das war irgendwie nicht das, was ich in der neuen Wohnung an die Wand hängen wollte. 

Doch da war ja noch diese Spraydose mit schwarzer Farbe, die eigentlich einen Kabelkanal schwarz ansprühen sollte, den wir am Ende doch nicht brauchten. Und da war diese Idee: Was wäre, wenn wir die braunen Rahmen einfach schwarz ansprühen würden? 

Wenn ich jetzt schreiben würde "Gesagt, getan", wäre das schamlos gelogen. Tatsächlich dauerte es Wochen. Wochen, in denen unter anderem Folgendes vorfiel:

  • Wir mussten eine Unterlage für die Rahmen besorgen, damit der Balkonboden keine Farbe abbekommt.
  • Wir mussten warten, bis es aufhört zu regnen.
  • Wir mussten uns aufraffen.
  • Wir mussten die Rahmen ansprühen.
  • Wir mussten die Rahmen trocknen lassen.
  • Wir mussten mit der Enttäuschung klar kommen, dass das Ergebnis nicht ganz unseren Vorstellungen entsprach (etwas unregelmäßig, ein paar Stellen ganz vergessen und ein, zwei Nasen).
  • Wir mussten neue Farbe kaufen, eine Dose war nicht genug.
In der Zwischenzeit mussten die Rahmen mehrmals umziehen in unserer Wohnung: vom Balkon ins Wohnzimmer, vom Wohnzimmer ins Arbeitszimmer und von dort zurück ins Wohnzimmer. Nicht nur die Rahmen, sondern auch die Scheiben für die Rahmen. Bei einem Transport fiel mir eine Scheibe runter. Sie ging zwar nicht kaputt dabei, aber unser Parkett hat jetzt zwei ziemlich fiese Macken an der Stelle, an der die Scheibe draufgefallen ist. 

Ich glaube, das war der Moment, wo mir klar wurde, dass diese Rahmen vielleicht keine Lösung sind, sondern ein Problem. Und dass ich angefangen hatte, sie abgrundtief zu hassen.

Wie diese Geschichte endete? Diesmal ohne Happy End. Irgendwann schauten der Liebste und ich uns seufzend an und den Tatsachen ins Auge: Die Rahmen sind Schrott. Sie nerven. Das mit dem Ansprühen war eine richtige Scheißidee. Und wir beschlossen, was wir längst hätten beschließen sollten: Die Rahmen können weg.


Samstag, 2. Juli 2016

The Kitchen Wars: Brotmaschine vs. Küchenrollenhalter

Der Küchenplaner bezeichnete unsere Küche als „ganz kleines L“. Und genau das ist sie auch. Zwischen Spüle, Herd und Kühlschrank gibt es zwei Stückchen Arbeitsplatte: eins ist einen Meter breit, eins 45 Zentimeter und dann geht es um die Ecke (L!) noch mal 30 Zentimeter weiter. Um diese wenige freie Fläche in der Küche finden in unserer ansonsten höchst harmonischen Wohn- und Lebensgemeinschaft gern mal erbitterte Verteilungskämpfe statt: Ich will immer alles in den Schrank räumen, damit wir beim Kochen möglichst viel Platz haben, der Liebste findet das unpraktisch und eventuell sogar einen Tick "Asperger", wie er gern sagt, wenn er mich so richtig ärgern will.

Nicht in den Schrank räumen möchte ich allerdings meine elektrische Brotschneidemaschine. Ich liebe gutes Brot, es gibt wenig, was mich glücklicher macht als eine Scheibe frisches Walnussbrot mit Avocado und mittelaltem Gouda, oder ein Kürbiskernbrot mit Baguettesalami ... hach! Und ich komme nun mal aus einer Brotmaschinenfamilie: Ich kann nicht ohne. Wenn ich es versuche, sieht das Ergebnis so aus:


Meine Brotmaschine gehörte mal meiner Oma, ich glaube, ich habe sie geerbt, als Oma damals ins Altersheim umzog - genau kann ich das nicht mehr rekonstruieren. Ihr Alter sieht man der Brotmaschine auch deutlich an: Ehemals weiß, ist sie nun vergilbt und hat allerlei klebrige Flecken, die sich nicht mehr abschrubben lassen. Weil der Fingerschutz fehlt, braucht man zum Schneiden von Brotresten Wagemut und Geschick. Aber: Sie funktioniert!

Der Liebste findet Brotmaschinen überflüssig (und minimalismusbeseelt wäre ich geneigt, ihm Recht zu geben, wäre da nicht meine brotmaschinenfamilienbedingte Unfähigkeit, Brot ohne Brotmaschine ... ihr wisst schon) - aber ganz besonders verhasst ist ihm mein vergilbtes Uralt-Exemplar.

Auch der Liebste hat einen Gegenstand mit in unsere Küche gebracht, der mir ein echter Dorn im Auge ist: einen blau angemalten hölzernen Küchenrollenständer. Warum um Himmels willen braucht man einen Küchenrollenständer, frage ich mich? Küchenrolle hat eine perfekte Säulenform, die ist unten flach und steht prima ohne Ständer. Und wenn ich die Küchenrolle zum Beispiel mal woanders brauche, muss ich sie erst aus dem Küchenrollenständer rausfummeln oder den Ständer mit herumtragen - beides nervt.

Nach monatelangem subtilem Geläster auf beiden Seiten schlug ich schließlich einen Kompromiss vor: Ich trenne mich von der Brotmaschine, wenn der Liebste sich vom Küchenrollenhalter trennt. Ich würde, so der Plan, lernen, wie man Brot auch ohne Brotmaschine so schneidet, dass eine Scheibe unten nicht dicker ist als oben.

Über dieses Friedensangebot musste der Liebste erst einmal nachdenken. Dann besuchten wir meine Eltern und er sah: deren Brotmaschine, edelstahlglänzend, unvergilbt, schön. Und der Liebste sprach: Eine solche Brotmaschine, edelstahlglänzend statt altersvergilbt, die würde er in unserem ganz kleinen L wohl akzeptieren. Sprach's und bestellte ohne langes Herumdiskutieren eine im Internet.

Ich handelte schnell noch aus, dass der Küchenrollenhalter auch bei Brotmaschinentausch weg muss. Und damit sind die Kitchen Wars im Hause #daskannweg beigelegt und sie und ihre neue, edelstahlglänzende Brotmaschine lebten glücklich und zufrieden ... und so weiter und so weiter.

Jackenliebe!

Die Zeiten, in denen ich mich in diesem Blog ohne ganz besondere, einzigartige Geschichte von einem einzelnen Gegenstand aus meinem Besitz trenne, sind vorbei. Eigentlich. Aber heute mache ich eine Ausnahme, denn die graue Winterjacke hat sich einen eigenen Eintrag wirklich verdient.


Ich weiß noch, wann ich sie gekauft habe: Es war Anfang 2008, Galeria Kaufhof am Hamburger Hauptbahnhof. Ich weiß noch, dass ich sie kurz vor einem Date gekauft hatte und damals darüber nachdachte, ob sie dem Date wohl gefallen würde. Die Antwort auf diese Frage ist nicht überliefert und davon abgesehen auch komplett irrelevant, nach zwei Dates sahen wir uns nie wieder. Der Beginn einer Liebesgeschichte war es allerdings: Jackenliebe!

Die graue Jacke ist von Vero Moda, nicht zu dick und nicht zu dünn und hat eine Kapuze. Sie ist weder regenabweisend noch atmungsaktiv, sondern aus ganz normalem Stoff. Werden solche Winterjacken heute überhaupt noch hergestellt? Außerdem ist sie - wer hätte das gedacht? - grau, graue Kleidungsstücke haben bei mir ja eh einen Bonus, und hat - und das ist wirklich etwas ganz Besonderes für mich! - KEINE zu langen Ärmel.

In den Jahren danach ergänzte ich meine Wintergarderobe nach und nach um eine grüne Winterjacke (stylischer!), einen grauen Wintermantel (schicker!) und eine rote Outdoorjacke mit ein- und ausknöpfbarem Winterfutter (regendicht!). Ein paar Winter lang trug ich die graue Winterjacke nur noch selten, aber sie behielt stets einen Platz in meinem Herzen.

Vorletzten Winter stellte ich fest, dass alte Jackenliebe nicht rostet. Die graue Jacke wurde erneut zu meiner Winteruniform - und das, obwohl sie damals schon das hatte, was man beim Ankauf von Gebrauchtwaren wohl "deutliche Gebrauchsspuren" nennt: An der Kapuze fehlten zwei Druckknöpfe, an den Ärmeln gab es abgewetzte Stellen.


Durch den Dauereinsatz in den letzten zwei Wintern wurde das natürlich nicht besser. Eine neue Jacke musste her, das war mir klar. Meine halbherzigen Kaufbemühungen hatten allerdings keinen Erfolg.

Ich habe die graue Jacke nun noch mal gewaschen, wollte sie in den Schrank räumen. Ich schaute sie an und dachte: All das wird sich niemals ändern. Du wirst sie lieben, du wirst sie tragen, und gleichzeitig wirst du dich schämen, weil du weißt, dass sie schäbig ist. Es gibt nur eine Möglichkeit, diesen Kreislauf zu durchbrechen: Die Jacke muss weg.

Liebe graue Jacke, es war schön mit dir. Aber nun hast du deinen Dienst getan. Ruhe im Jackenhimmel. Du kannst weg.

Sonntag, 26. Juni 2016

Tausche alte DVDs gegen 178,35 Euro


Von der heldenhaften Entschlossenheit des Liebsten war schon letztes Mal kurz die Rede. Als ich damals anfing zu schreiben, wollte ich eigentlich etwas ganz anderes erzählen als das, was an Ende auf dem Papier Bildschirm stand, aber wie das manchmal so ist, manchmal haben die Finger nicht dasselbe im Sinn wie der Kopf. Deshalb soll die Geschichte nun hier wiedererzählt werden: Nicht nur trennte der Liebste sich klaglos von den meisten seiner Möbel, er war auch bereit, noch viel mehr loszulassen: seine DVDs. 

Nun finde ich herumstehende DVDs auch nur so mäßig dekorativ, aber das war mir dann auch nicht recht. Ich hätte das Gefühl gehabt, dass wir nur mit den Dingen wohnen, die mir gefallen - und ich weiß genau, wie sehr der Liebste Filme liebt. Hast du dir das auch gut überlegt?, fragte ich ungefähr ein Dutzendmal, du liebst doch deine DVDs! Ja, aber er schaue sie doch eh nicht noch mal an, und überhaupt gibt’s das alles auch bei Netflix. Machen Sie dich glücklich?, frage ich ihn. Darüber muss er dann doch kurz nachdenken. Einige schon. sagt er. Mit diesem Satz ist klar, wie es weitergeht. 

Der Liebste sortiert seine DVDs auf zwei Haufen und ich scanne mit der momox-App die Strichcodes der DVDs auf dem #kannweg-Stapel ein. Alle Star-Trek-Boxen von Captain Picard bis Captain Janeway, „Der Schakal“, „Soul Kitchen", „Hangover 2“ - manches gibt nur noch deprimierende 15 Cent, anderes fast 10 Euro. Weil wir grade so gut drauf sind, sortieren wir gleich auch noch unsere alten Computerspiele durch (Super Mario 3D Land: 15,42 Euro!). Am Ende haben wir 93 Schachteln eingescannt, der Karton wiegt 19 Kilo, wir tragen ihn zu zweit zum Paketshop.

Die restlichen DVDs - die, die glücklich machen - haben nun alle in vier Regalfächern Platz. Und ein paar Tage später überweist momox 178,35 Euro auf das Konto des Liebsten.

Dienstag, 21. Juni 2016

Aus 2 mach 1

Offenbar habe ich noch gar nicht die heldenhafte Entschlossenheit gerühmt, mit der der Liebste beim Umzug ans #daskannweg-Werk ging. Das soll nun hier nachgeholt werden: Klaglos trennte er sich von den meisten seiner Möbel. Ein besonderes Opfer: Er verabschiedete sich sogar von seinem geliebten Kleiderschrank. 

Seiner war 2 Meter breit und 2,01 Meter hoch. Meiner ist 2,50 Meter breit und 2,36 Meter hoch. Wir wussten: In unser Schlafzimmer würde nur einer von beiden passen - ganz abgesehen davon, dass weiß und Birke nicht wirklich gut aussehen zusammen. Meiner war größer. Meiner durfte bleiben. 

Das bedeutet aber auch: Meine Sachen und seine Sachen mussten in einen Schrank passen, in den vorher nur meine Sachen passen mussten. Das klingt unmöglich, aber am Ende ging es doch. Der Koffer musste ausziehen, die Bettkästen wurden noch ein bisschen mehr vollgestopft als vorher, wir warfen eine Kleiderstange raus und kauften sieben neue Einlegebretter. 

Natürlich habe ich trotzdem viel weniger Platz im Schrank als früher. Aber das Gute daran: Das bewahrt mich davor, zu viele Klamotten aufzubewahren, die ich am Ende doch nicht trage.

Dienstag, 14. Juni 2016

Einmal Recyclinghof und zurück

„Wir müssen zum Recyclinghof“, sagte ich an einem sonnigen Samstag zum Liebsten. „Der Keller ist eh schon so klein, da muss nicht auch noch lauter kaputtes Zeug rumstehen.“ Unser Keller ist etwa 1,40 mal 2 Meter groß und platzt aus allen Nähten. „Ach“, sagte der Liebste, und dann irgendwas mit „Heute eh schon so viel vor“ und „Kann man doch auch ein andernmal“. 

Warum das Thema überhaupt eine Diskussion wert war? Ganz einfach: Der Recyclinghof ist 4,5 Kilometer entfernt, und weil wir kein Auto haben, müssen wir mit Bus und Straßenbahn hin - das ist ziemlich umständlich. Aber diesmal ließ ich keine Ausreden gelten. Nicht weit vom Recyclinghof ist nämlich das Gartencenter - und genau da wollte ich unbedingt hin und so viele Balkonpflanzen mit nach Hause nehmen, wie wir schleppen konnten. Die Strategie: einen Weg, auf den ich total Lust habe, mit einem Weg verbinden, auf den ich gar keine Lust habe, und ganz nebenbei noch Hilfe akquirieren, damit ich mehr Grünzeug heimtragen kann.

Also Bus- und Bahnverbindung gecheckt, runter in den Keller mit zwei Rucksäcken, drei Stoffbeuteln und dem Liebsten. Und eingepackt: ein altes Notebook, eine kaputte Grafikkarte, ein alter PC, einen Haufen Kabel, eine Kaffeemaschine, die LED-Lampe, die schon kaputt war, als ich sie auspackte (Sondermüll!), die alte Schreibtischlampe und was nicht noch alles.

Mit der Straßenbahn bis nach Neckarau, aussteigen, Bushaltestelle suchen. Bushaltestelle immer noch suchen, Verbindung auf dem Handy checken, vielleicht steht da ja irgendwo, wo die Haltestelle ist … - Moment mal! Bus wird umgeleitet … umgeleitet?! Och nö! Das hatte ich vor lauter Blumenvorfreude wohl übersehen. Jammern half nicht, zurückfahren kam nicht in Frage, was nun? Ist doch super Wetter für einen Spaziergang! (ja, vor allem mit einer Wagenladung Elektroschrott im Gepäck.) 

Wir laufen also los, Laune anfangs doch eher gedämpft, aber dann können wir doch nicht anders als das irgendwie gut finden. Die Sonne scheint auf uns, ich kenn die Gegend noch nicht, und nach zehn Minuten wird es hübscher um uns rum, guck mal, da blühen Rosen, und ooooh, Pfingstrosen, meine Lieblingsblumen … 

Nee, nicht alles unseres, nur das Zeug vorne. Den restlichen Elektroschrott haben andere Leute da hingebracht.
Nach nicht mal zwei Kilometern sind wir am Recyclinghof, haben schnellstens alles abgeladen und sind auf dem Weg zum Gartencenter, noch mal knapp ein Kilometer, aber ohne Gepäck und auf dem schönsten Schleichweg, den man sich vorstellen kann: alles so grün hier! Die perfekte Einstimmung für die große Blumensause im Gartencenter. 

Zwei Clematis, zwei Ziersalbei, zwei kleine weiße Blümchen, zwei silberblättrige Wunderschöngewächse, ein Buddha, ein Rankgitter und einen großen Blumenkasten später siegt die Vernunft über das Habenwollen - wir müssen das ja alles noch irgendwie nach Hause kriegen. An der Kasse fragt die Frau, ob wir eine Papiertüte wollen. Wollen wir! Als ich „gern“ sage und ihr erkläre, dass wir zu Fuß da sind, guckt sie mich an, als sei ich geistesgestört. Dem Liebsten ist das furchtbar peinlich, ich find’s zum Totlachen. Nun noch mal anderthalb Kilometer zu Fuß in die andere Richtung, ab in die Straßenbahn und dann nach Hause. 

Was das alles mit #daskannweg zu tun hat? Jede Menge.
  1. Der Keller ist endlich elektroschrottfrei. 
  2. Erreicht habe ich das durch schlaue Selbstüberlistungsbelohnungsstrategie: ohne Elektroschrott weg kein Blümchen hin.
  3. Die Blümchen sind zwar kein #daskannweg, sondern ein #daskannhin, aber hier geht’s ja auch nicht um Minimalismus, sondern um „Hab nur Dinge um dich, die du wirklich um dich haben willst“. Und wenn das Blümchen sind, dann ist das okay. 
  4. Es geht auch ohne Auto. Ja, wirklich: Es. geht. auch. ohne. Auto. 
Und 5. hat #daskannweg ja auch immer ganz viel damit zu tun, sich aufzuraffen und Dinge zu tun, auf die man keine Lust hat. Haben wir gemacht - und hat sich mal wieder gelohnt. Sicher, mit dem Auto wären wir schneller gewesen. Aber wir wären nicht in der Sonne spaziert, hätten keine Pfingstrosen gesehen und nicht das entgeisterte Gesicht der Frau an der Gartencenter-Kasse. Wir hätten nichts erlebt. Anstatt den Kofferraum vollzuladen mit einem Haufen schnell in den Einkaufswagen gestopfter Blumen, habe ich lange und ganz bewusst die schönsten ausgesucht und eigenhändig nach Hause getragen (beziehungsweise tragen lassen). Das macht die Freude über die Blumen noch größer - jedesmal, wenn ich sie anschaue. 

Dienstag, 23. Februar 2016

Dinge verschwinden nicht von allein

Am Wochenende war ich also - ich hatte ja schon ganz kurz davon berichtet - zum ersten Mal bei Oxfam. Damit wurde ein guter Vorsatz in die Tat umgesetzt. Nach nur einem Jahr und zwei Tagen! Der Oxfam-Besuch war übrigens leicht deprimierend: Eine Frau verschwand mit meiner vollen Tasche hinter einer Tür, kam zwei Minuten später raus und gab mir meine leere Tasche zurück. Nicht mal ein Dankeschön. Auf dem Rückweg hab ich versucht, nicht drüber nachzudenken, dass das jetzt Klamotten in einem Neuwert von mindestens 1000 Euro waren. Das hat allerdings nicht ganz geklappt. Nun ja: Hauptsache, ich bin das Zeug los.

Das eigentlich Bestürzende an dem Oxfam-Erlebnis ist aber das Foto, das ich vor einem Jahr hier gepostet habe:

Gut zu erkennen auf dem Bild sind etwa die hochhackigen Sandalen, der Samtblazer mit Nadelstreifen und die spitzen schwarzen Stiefeletten. Nicht im Bild, aber nachweislich in der Kiste, sind die dunkelblaue Sommerjacke, das schwarze Abendkleid und das graugrüne Abendkleid, das es nie zu einem eigenen Blogeintrag gebracht hat, das aber als hartnäckiger Wiedergänger einen gewissen Ruf bei allen Swap-Teilnehmerinnen genießt. 

Über diese Dinge also schrieb ich vor einem Jahr und zwei Monaten: "Das hier bring ich bei nächster Gelegenheit zu Oxfam." Und das ist die Tasche, die ich am Samstag tatsächlich zu Oxfam brachte:

Gut zu erkennen: die hochhackigen Sandalen und die spitzen schwarzen Stiefeletten. Nicht im Bild, aber nachweislich in der Tasche, sind die dunkelblaue Sommerjacke, das schwarze Abendkleid und der Samtblazer mit Nadelstreifen. Und das, obwohl am Freitag drei neue Mit-Swapperinnen am Start waren!

Das lehrt mich zweierlei: Erstens, es gibt Dinge, die kann offenbar niemand brauchen. Es lohnt sich nicht, sie aufzuheben. Und zweitens, mit guten Vorsätzen ist es nicht getan - Dinge verschwinden nicht von allein. In Zukunft werde ich solche Kisten nicht noch einmal ein Jahr in meinem Schlafzimmer rumstehen lassen. Dann können die gleich weg.