Ich könnte auch früher ins Büro gehen. Ich weiß allerdings genau: Nur weil ich früher hingehe, gehe ich nicht früher heim. In der Redaktion kommen gern ab 17 Uhr Leute aus den Ecken gekrochen und wollen was von mir. Denn wenn die Meetings um sind, haben die vielbeschäftigten Leute Zeit zu reden; das will ich nicht verpassen. Regelmäßig sind auch noch Dinge zu tun, die nicht bis zum nächsten Morgen warten können.
Also bleibe ich morgens lieber länger zu Hause, sitze rum mit einer Tasse Tee, lese Nachrichten oder gucke vor mich hin, schreibe Nachrichten an liebe Freundinnen, überweise fällige Rechnungen oder lege Wäsche zusammen. In stressigen Arbeitswochen kurz vor Abgabe gucke ich in meine diversen Postfächer und checke, ob irgendwas brennt (ehrlich gesagt mache ich das nicht nur dann, aber das ist eine andere Geschichte).
Oft genug ist danach aber immer noch Zeit. Ich würde gern behaupten, dass ich dann etwas Sinnvolles tue. Sonnengrüße mache oder kluge Bücher lese. Die Wahrheit ist: Oft verdaddel ich diese Zeit mit Quatsch. So kam ich an "Cozy Grove: Camp Spirit". Das ist eins von diesen Spielen, die man ohne Zusatzkosten auf seinem iPad installieren kann, wenn man Netflix-Abo hat.
Ich bemühe mal die App-Store-Beschreibung: "In dieser entspannenden Fortsetzung der beliebten Lebenssimulation, in der Herzlichkeit großgeschrieben wird, viele neue Dinge hergestellt und gebaut werden können und neue Inselabenteuer auf dich warten, hilfst du niedlichen Bärengeistern, Frieden zu finden."
Das Spiel hat eine halbwegs niedliche Grafik und eine halbwegs niedliche Story. Für eine Weile hat es mir erstaunlich viel Spaß gemacht - wahrscheinlich, weil man dabei wunderbar sein Gehirn ausschalten kann. Der Geisterbär hat seine Aufzeichnungen verloren, die Katze will Pilzpfanne fressen, um die zu kochen, brauche ich Salat, eine komische Hasenessenz und natürlich Pilze, die Pilze muss ich vorher rösten, und so weiter, und so weiter, und so weiter. Rumrennen, Sachen sammeln, zusammenbasteln. Intellektuelle Herausforderung? Null.
Die meisten Aufträge müssen am selben Tag abgeschlossen werden. Sind die erledigt, gibt es nicht so richtig was zu tun. Und am nächsten Tag geht es wieder von vorne los, die Katze will nun vielleicht ein Glas Sauerkraut, und der Geisterbär hat schon wieder seine Aufzeichnungen verloren.
Spannender wird's nicht.
Scheitern ist unmöglich. Und auch wenn das in einer Welt voller komplexer Probleme eine angenehme Abwechslung ist: Das Spiel ist eine To-do-Liste, die sich jeden Tag aufs Neue füllt. Mit Aufgaben, die mich keinem einzigen bedeutungsvollen Ziel näherbringen. Ein elender Zeitfresser. Ich hab's deinstalliert.
Und sonst so? Das hier:


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